
Es sei eine „Trendwende“ im Handel mit heimischen verarbeiteten Lebensmitteln im Ausland, sagt WKÖ-Fachverbandsgeschäftsführerin Katharina Koßdorff bei einer Pressekonferenz. Denn die Nachfrage war im ersten Halbjahr 2026 rückläufig: Die Exportmenge sank um 5,1 Prozent auf rund 2,9 Millionen Tonnen, der Exportwert ging um 0,8 Prozent auf rund 5,3 Milliarden Euro zurück.
Die Außenhandelsbilanz bei Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie blieb mit 587 Millionen Euro zwar positiv. Dieser Überschuss sei in den vergangenen Jahren jedoch deutlich zurückgegangen, betonte Koßdorff.
Branchenvertreterin kritisiert hohe Standortkosten
Für die Branchenvertreterin ein „klares Zeichen“, dass österreichische Lebensmittelhersteller an „preislicher Wettbewerbsfähigkeit“ verloren hätten, wie sie sagt. Die Branche hätte im Vergleich zu ausländischen Produzenten einen „schweren Kostenrucksack“ zu tragen, kritisiert Koßdorff die „hohen Standortkosten“. Nicht nur im Ausland, sondern auch im Inland hätten die heimischen Hersteller zu kämpfen.
Trotz eines leichten Rückgangs blieben alkoholfreie Getränke mit Exporten von knapp 1,2 Milliarden Euro der wichtigste Exportartikel der heimischen Lebensmittelindustrie. Ebenfalls beliebt im Ausland waren Tierfutter (495 Millionen Euro) sowie feine Backwaren (428 Millionen Euro) aus Österreich. Schwer taten sich hingegen Schokolade- und Fruchtsafthersteller, die etwa unter den hohen Kakaopreisen oder der geringen Verfügbarkeit von Südfrüchten litten.
Exporte von Agrarprodukten blieben stabil
Stabil war zwischen Jänner und Juni 2026 der Handel mit Agrarprodukten. Das Agraraußenhandelsdefizit sank im Jahresvergleich um knapp 394 Millionen Euro auf rund 917 Millionen Euro, teilt AMA-Marketingchefin Christina Mutenthaler-Sipek mit. Die Exportmenge blieb mit rund 5,17 Millionen Tonnen nahezu unverändert. Deutschland behauptete trotz leichter Einbußen seine Position als mit Abstand wichtigster Exportmarkt.
Konkret stieg der Wert der Agrarexporte nach den vorläufigen Zahlen der Statistik Austria im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1 Prozent auf 8,73 Milliarden Euro, während die Importe um rund 3 Prozent auf rund 9,65 Milliarden Euro zurückgingen.
Exporte von Äpfeln nahmen stark zu
Besonders positiv entwickelten sich die Ausfuhren von Rindfleisch (wertmäßig plus 12,2 Prozent), Geflügel (plus 9,2 Prozent), Käse (plus 2,7 Prozent) und Äpfeln (plus 63,5 Prozent). Die Preise für Rindfleisch seien zuletzt allerdings aufgrund von Betriebsschließungen sowie gestiegenen Futter-, Energie- und Dürrekosten deutlich gestiegen, erläuterte sie. Mehr als einen „Hype“ ortete Mutenthaler-Sipek zudem bei Proteinprodukten wie fermentierter Milch, deren Ausfuhren um 20,5 Prozent zunahmen.
Rund 80 Prozent der Agrarexporte gehen in EU-Länder, so Mutenthaler-Sipek. „Unangefochtene“ Nummer eins bleibe trotz eines leichten Minus von 0,5 Prozent Deutschland. Italien (plus 4,3 Prozent), Ungarn (plus 4,1 Prozent) und die Niederlande (plus 6 Prozent) legten unterdessen zu.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



