
Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner in Georgia, auf der Donald Trump die Pläne des deutschen Autobauers für ein neues Vier-Milliarden-Werk in den USA verkünden konnte, war ganz nach dem Geschmack des US-Präsidenten. Ob es angesichts der massiven Kritik an Döllner und den Milliardenverlusten der Konzernmutter Volkswagen je zu dem Werksbau kommt, ist fraglich.
Trump sagte vor der Wahl 2024 nicht weniger als ein goldenes Zeitalter voraus. Er wollte Amerikas Industrie wiederbeleben, mit Zöllen die Staatsfinanzen sanieren, mit Steuersenkungen den Wohlstand der Mittelschicht wiederherstellen, ganz generell die Löhne erhöhen und die Teuerung senken.
Was also blieb von seinen Verheißungen und vollmundigen Ankündigungen? Ist Amerika „great again“?
PLUS: Kräftiges BIP-Wachstum
Für die „Trumponomics“ spricht das aktuelle Wirtschaftswachstum. Die US-Wirtschaftsleistung hat im dritten Quartal robuste 3,4 Prozent betragen, auch die Investitionen legen zu. Im Gesamtjahr erwartet die OECD ein Wachstum für die USA von 2,2 Prozent, für den Euroraum weniger als die Hälfte: 1,0 Prozent. Dahinter stehen u.a. der Boom bei der Künstlichen Intelligenz und die vielen Milliarden der US-Tech-Giganten zum Auf- und Ausbau ihrer KI-Infrastruktur.
PLUS: Stabiler Arbeitsmarkt
Der Beschäftigungszuwachs hat sich seit dem Frühjahr stark verlangsamt, doch die Arbeitslosenquote bewegt sich auf einem historisch relativ niedrigen Niveau. In Rechenzentren wurden trotz aller Kritik – etwa am Stromverbrauch – 180.000 Jobs geschaffen, gleichzeitig gehen offenbar auch schon viele Jobs wegen KI verloren.
So will Microsoft mit großzügigen Abfindungen rund 60.000 Mitarbeitende trotz eines Rekordgewinns los werden. Das entspricht einem Viertel der Belegschaft. Dennoch: Im September lag die US-Arbeitslosenquote bei 4,2 Prozent, exakt so viel wie vor der US-Präsidentschaftswahl Anfang November 2024.
PLUS und MINUS: Niedrigere Steuern
Trumps wichtigstes Steuergesetz, die „Big Beautiful Bill“, hat die jährliche Steuerrückerstattungen für Amerikaner um durchschnittlich 340 Dollar pro Person erhöht. Reichere Amerikaner profitierten aber überproportional. Gleichzeitig wurde der Zugang zu Lebensmittelmarken und zu Medicaid, dem staatlichen Gesundheitsprogramm für Bedürftige, stark eingeschränkt.
MINUS: Hohe Inflation
Die hohen Lebenshaltungskosten und speziell die massiv gestiegenen Benzinpreise waren zentrales Wahlkampfthema. Auslöser für den Preisschock: der im Volk höchst unbeliebte Iran-Krieg.
Zwar stiegen die Stundenlöhne um rund 3,0 Prozent. Damit hinkt das Lohnwachstum der US-Inflation von zuletzt 3,7 Prozent aber hinterher. Das bedeutet Reallohnverluste für die Bevölkerung und macht es sehr wahrscheinlich, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen in Bälde weiter anheben wird.
Das hat teurere Konsumkredite und steigende Finanzierungskosten für Immobilien zur Folge – eine massive Belastung für viele US-Haushalte. Anfang Oktober stieg der Zins für einen 30-jährigen Fixzinskredit auf 7,5 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren.
MINUS: Zölle und Handel
Laut dem britischen Economist, der sich auf US-Daten stützt, haben die Zölle des Präsidenten die Kosten für Konsumgüter in den USA um rund zwei Prozent in die Höhe getrieben. Das kostet einen amerikanischen Durchschnittshaushalt in diesem Jahr 1.100 Dollar.
Zusätzliche 1.000 Dollar kosten die gestiegenen Ölpreise, die auf die Spritkosten durchschlagen. Die Zölle haben außerdem nicht geholfen, das US-Handelsdefizit auszugleichen. Das belegt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach lag das US-Defizit im Warenhandel im August 2026 mit 130 Milliarden Dollar höher als im August 2024.
MINUS: Schulden & Börse
Ökonomen sorgen sich, dass …read more
Source:: Kurier.at – Politik



