
Rund 175 Jahre nach ihrer Gründung schlitterte die Firma Eitek mit Sitz in Ebergassing, Niederösterreich, im Jänner dieses Jahres in die Pleite. Nach dem Scheitern eines Sanierungsplans schien das Aus des Betriebs mit rund 250 Mitarbeitern besiegelt. Doch seit Sommer arbeitete der bekannte Wiener Unternehmer Kari Kapsch an einer Übernahme des angeschlagenen Autozulieferers, Ende Oktober konnte er den Deal in trockene Tücher bringen und den Neustart einläuten. Kapsch übernahm die Maschinen und Lagerbestände sowie 215 Mitarbeiter, das Grundstück und die Werkshalle hat er gemietet.
Auch ein neuer Name musste her. Das Unternehmen heißt nun Kaitec. Kapsch’ Mission: aus einer verlängerten Werkbank wieder einen eigenständigen Player in der Automobilindustrie machen – und das mitten in der Krise der europäischen Autoindustrie.
„Jetzt ist ein guter Zeitpunkt zum Einkaufen“, sagt Kapsch im Gespräch zum KURIER. Die gesamte Zulieferindustrie befinde sich in einem Konsolidierungsprozess, die Bewertungen seien niedrig. Für ihn der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen – und weiterzuwachsen.
Verträge neu verhandelt
Dazu muss man wissen, dass die großen OEMs, sprich: die Autohersteller wie Audi, Porsche, BMW und Magna, dem alten Eigentümer das Vertrauen entzogen hatten. Ihre Bedingung für eine Fortsetzung der Geschäftsbeziehung: ein neuer Gesellschafter. „Die OEMs haben gesagt: Mit dieser Eigentümerstruktur – no way“, sagt Kapsch.
Im Rahmen eines Asset Deals erwarb Kapsch die Produktionsmittel, nicht aber Altlasten oder Verträge. Letztere mussten mit den Kunden neu verhandelt werden – ein „langwieriger und komplexer Prozess“, wie Kapsch betont.
Denn Eitek, 1850 als Teppichweberei gegründet, hat Nachlieferverpflichtungen für Ersatzteile, die bis zu 25 Jahre zurückreichen.
Der Betrieb fertigt hochwertige Innenraumkomponenten für die Automobilindustrie: Säulenverkleidungen, Kofferraumauskleidungen, Mittelkonsolen – alles aus Kunststoff, überzogen mit Leder oder Spezialstoff und mit schalldämpfendem Schaumstoff unterlegt. „Wir machen die Premium-Teile in der Interior-Ausstattung“, erklärt Kapsch.
Namhafte Kunden
Zu den Kunden zählen Magna (Mercedes G-Klasse), Audi, Porsche, BMW, Stellantis und Lamborghini.
Der Standort Ebergassing bei Wien ist logistisch ideal positioniert: Die Autowerke in Ungarn, der Slowakei, in Tschechien und Deutschland liegen in Reichweite. Manche Teile – etwa für die Produktion in Bratislava – werden in exakter Reihenfolge just-in-time geliefert. Doch in den vergangenen Jahren hat Eitek unter den Voreigentümern (Finanzinvestoren) massiv an Boden verloren. „Kein 3er-, kein 5er-BMW ist ohne Teile von diesem Standort vom Band gelaufen. Das müssen wir wieder erreichen“, sagt Kapsch.
Er baut nun gezielt Kompetenzen auf, die verloren gingen: Vertrieb, technische Konzeption, Projektmanagement. Gleichzeitig will er bei Bestandskunden wieder in die Breite gehen. „Die OEMs haben in den letzten Jahren keine Aufträge mehr platziert, weil sie auf einen neuen Eigentümer gewartet haben. Jetzt kommen die Ausschreibungen“, sagt Kapsch.
Weitere Zukäufe
Kapsch plant aber nicht nur die Rückeroberung alter Geschäftsfelder. Er will in verwandte Bereiche expandieren: Lkw und Traktoren, wo moderne Kabinen zunehmend hochwertige Kunststoffteile und Schalldämpfung erfordern. Und die Bahn.
„Wenn Sie heute einen Waggon anschauen, hat der wahnsinnig viele Kunststoffteile. Die kommen derzeit aus Asien“, sagt Kapsch. Die EU-Politik setze zunehmend auf europäische Hersteller – eine Chance für Kaitec.
Auch neue Autokunden stehen auf der Liste. „Tesla zum Beispiel, wo wir jetzt erste Angebote legen“, sagt Kapsch. Und er denkt noch größer. „Wir strecken die Fühler aus nach anderen Akquisitionsmöglichkeiten in …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



