Chef der IV NÖ und Grünen-Chefin: „Klimaschutz ist ja kein grünes Thema“

Politik

Grüne und Industrie, Grüne und Wirtschaft – sie sind nicht gerade für gegenseitige Wertschätzung bekannt. Umso bemerkenswerter war auch deshalb der Besuch von Grünen-Chefin Leonore Gewessler beim Chef der niederösterreichischen Industriellenvereinigung, Kari Ochsner, in Haag.

Der KURIER bat die beiden zum Gespräch.

KURIER: Herr Ochsner, wie sieht ein Industrieller den Klimaschutz?

Kari Ochsner: Ich habe in der Industriellenvereinigung den Vorsitz der Taskforce „Green Tech Industry“, da geht es um Transformation, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Mit über 3.300 Unternehmen und rund 57.800 Beschäftigten erwirtschaftet die Branche bereits einen Jahresumsatz von mehr als 21 Milliarden Euro. Ziel ist, die Greentech-Industrien, die in Europa eine wichtige Rolle spielen und in Österreich besonders bedeutend sind, zu stärken.

Leonore Gewessler: Mir ist da wichtig, das Mindset zu ändern. Denn diese Industrien sind schon lange keine kleinen Nischen wie früher, sondern die Industrie von morgen. Und die werden wir brauchen, wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit von morgen erhalten wollen.

Warum ist diese Green-Tech Plattform in der IV erst jetzt, 2026, gegründet worden?

Ochsner: Jede Organisation muss sich permanent weiterentwickeln. Früher hatten wir Schornsteine als Markenzeichen, und jetzt werden auch Windräder und PV-Anlagen zur zusätzlichen Symbolik der Industrie.

Gewessler: Die IV Niederösterreich hat ein neues Logo?

Ochsner: Nein, anlässlich des 80-jährigen Bestehens der IV gab es heuer einen Schulwettbewerb für ein neues Bild der Industrie für ein zeitgemäßes Symbol. Nachdem Österreichs Industrie zu den nachhaltigsten der Welt zählt, findet man im neuen Sieger-Icon auch ein grünes Blatt.

Gewessler: Aus meiner Sicht braucht es eben nicht nur technische und soziale Innovation, sondern eben auch eine institutionelle Innovation. Bei den Interessensvertretungen muss es ja auch darum gehen, mit jenen voranzugehen, die wollen. Und sich nicht von jenen, die am längsten brauchen, bremsen zu lassen. Das ist überall schwierig, deswegen finde ich, es ist höchst an der Zeit, dass sich so eine Plattform auch in der IV bildet. Da braucht es aber eben jene, die das in die Hand nehmen – also herzlichen Dank, lieber Kari Ochsner.

  Sorge um Linzer Altbischof Ludwig Schwarz

Das überrascht jetzt doch, weil von Wirtschaftskammer und IV heißt es doch fast nur, dass uns die Klimapolitik wirtschaftlich umbringt.

Ochsner: Eine sehr große Gefahr geht langfristig vom Klimawandel aus. Allerdings wird der Kampf dagegen nur dann breit unterstützt, wenn die Menschen keine existenziellen Ängste haben, und wenn die industrielle Transformation mit Hausverstand erfolgt, ohne unsere Wettbewerbsfähigkeit massiv zu beeinträchtigen. Mir geht es vor allem um das Thema Energieresilienz. Derzeit sind wir bei unseren fossilen Importen stark vom Ausland abhängig. Das ist vor allem eine wirtschaftliche Frage. Wir schwächen damit auch unser BIP, wenn wir weiterhin Milliarden in Energieimporte investieren, statt diese selbst zu erzeugen. Sich unabhängig zu machen, ist daher in jeder Hinsicht sinnvoll.

Gewessler: Aus der gleichen Argumentation heraus sage ich: Heimatstrom statt Putingas. Wir können uns unabhängig machen und sind dann nicht mehr erpressbar. Also investieren wir entweder daheim in der Region. Oder wir schicken unser Geld weit weg zu Autokraten. Mit hat noch keiner erklären können, was daran nicht gescheit sein soll. Da sind wir uns also sehr einig.

Wie sehen Sie die Grünen?

Ochsner: Was ich an der Leonore schätze, ist, dass wir die …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.