
Erhängen, Ertränken oder doch lieber Erstechen? So ein Mord muss sowohl tragisch als auch originell über die Bühne gehen. Vor allem dann, wenn der Name von Krimiautorin Patricia Highsmith darunter steht.
„Ich bin ein Genie“, behauptet Psychothriller-Pionierin Highsmith von sich und funkelt böse mit den Augen. In der einen Hand das Whiskeyglas, in der anderen eine Zigarette, hat sie sich in ein Chalet in die Einsamkeit der Schweizer Berge zurückgezogen. Dort wird sie von einem jungen Mann namens Edward gestört, der im Auftrag seines Verlags die Autorin überreden soll, einen finalen Krimi mit dem charismatischen Mörder Tom Ripley zu verfassen.
Highsmith setzt alles daran, den unliebsamen Gast hinauszuekeln. Sie serviert ihm Eierspeise mit einer Prise Verdacht, dass sie Arsen darüber gestreut hat. Doch trotz giftigem Schlagabtausch bleibt Edward hartnäckig und schluckt tapfer sein Frühstück hinunter. Schließlich beginnen sie gemeinsam den nächsten Mord auszumalen, den Ripley begehen soll – und dabei verschmelzen Edward und Ripley immer mehr zu einer Person.
In den fett–fleischigen Farben des klassischen Hollywoodkinos verfilmte Fotograf und Regisseur Anton Corbijn das Zwei-Personen-Theaterstück „Switzerland“ mit einem Touch Noir zu einem auf Hochglanz polierten Psychothriller. Nervöse Geigen untermalen das sardonische Lächeln von Helen Mirren, während Alden Ehrenreich darum bemüht ist, seine Miene zwischen Unschuldslamm und erotischem Killer spielen zu lassen. Doch diese Rechnung geht nicht auf.
Das Rededuell lässt sich in keinen überzeugenden Thriller verwandeln, sondern fungiert lediglich als Textbuch für den Krimi. Und während Mirren als soziopathische Schriftstellerin mit der Waffensammlung an der Wand in psychologische Abgründe klettert, bleibt Ehrenreich trotz größter Anstrengung immer das brave Bubi.
INFO: CH/AUS/I/GB 2026. 105 Min. Von Anton Corbijn. Mit Helen Mirren, Alden Ehrenreich.
Source:: Kurier.at – Kultur



