Paukenschlag: Heimische Unternehmen sichern Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld

Wirtschaft

Diese Lösung wurde von allen Stakeholdern in einem Eiltempo zustande gebracht: Die Tiefkühlgemüseversorgung aus dem Marchfeld steht nach monatelangen Verhandlungen auf neuen Beinen. Nachdem der belgische Konzern Ardo die ersatzlose Schließung seines Werks in Groß-Enzersdorf angekündigt hatte, haben nun mehrere heimische Unternehmen zugesagt, ihre Verarbeitungskapazitäten auszubauen. Das gaben Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und der designierte Präsident der Landwirtschaftskammer NÖ, Lorenz Mayr, bekannt.

„Es ist gelungen, die Versorgung mit rot-weiß-rotem Gemüse zu sichern! Gleich mehrere heimische Unternehmen bauen ihre Verarbeitung aus“, betonen Pernkopf und Mayr. Ein entscheidender Unterschied zur bisherigen Situation: „Statt Abhängigkeit von einem einzigen internationalen Konzern steht unsere Gemüseversorgung damit zukünftig auf mehreren Beinen. Das ist ein großer Erfolg für die Versorgungssicherheit in unserem Land und den Produktionsstandort Niederösterreich.“

Die neuen Strukturen sollen ab 2027 greifen. Eine Versorgungslücke werde es nicht geben, versicherten die Verantwortlichen. Die Erweiterung erfolge in enger Abstimmung mit den Gemüsebaubetrieben und Abnehmern, um langfristig tragfähige Strukturen aufzubauen.

Österreich vor vollendete Tatsachen gestellt

Der belgische Ardo-Konzern hatte die Schließung trotz positivem Marktumfeld angekündigt und damit die gesamte Wertschöpfungskette im Marchfeld in Gefahr gebracht. Besonders brisant: Ardo sperrte sich auch gegen eine Übernahme des Werks oder der Spezialmaschinen durch heimische Investoren – offenbar, um keine neue Konkurrenz entstehen zu lassen.

„Ardo hat Niederösterreich vor vollendete Tatsachen gestellt, doch dank dem Einsatz der letzten Tage und Wochen konnte eine starke Lösung für die Versorgung mit heimischem Gemüse geschafft werden“, erklärte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Sie dankte allen Beteiligten, „die vor und hinter den Kulissen intensiv verhandelt haben. Und vor allem ein Danke an unsere Bäuerinnen und Bauern, die die Versorgung mit besten heimischen Lebensmitteln sicherstellen.“

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ETG übernimmt zentrale Rolle

Eine zentrale Rolle in der neuen Struktur übernimmt die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG). Die Genossenschaft hat nach eigenen Angaben neue Abnehmer aus Österreich gewonnen, darunter das Unternehmen Waldland. Künftig sollen bis zu 2.000 Hektar Anbaufläche mit Sojabohnen, Edamame, Blatt- und Wurzelgemüse, Kräutern wie Dill, Petersilie und Koriander sowie Erdäpfeln bewirtschaftet werden. Auch der Aufbau einer eigenen Verarbeitungslinie für Blattgemüse wird geprüft.

„Wir haben gemeinsam mit Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, dem designierten Landwirtschaftskammer-Präsidenten Lorenz Mayr und vielen weiteren Beteiligten tage- und nächtelang nach Lösungen gesucht“, erklärt ETG-Obmann Robert Kriegl. „Jetzt können wir unseren Bäuerinnen und Bauern allein über die ETG-Genossenschaft alternative Abnahmemöglichkeiten für bis zu rund 2.000 Hektar Anbaufläche anbieten. Das schafft sogar neue Perspektiven für die Betriebe.“

Schneiders Gemüseland baut aus

Zudem weitet Schneiders Gemüseland aus Groß-Enzersdorf seine Verarbeitungskapazitäten deutlich aus. Der Familienbetrieb will damit zusätzliche Absatzmöglichkeiten für die Marchfelder Gemüsebauern schaffen. „Als bäuerlicher Familienbetrieb sind wir selbst Teil der Landwirtschaft im Marchfeld und wissen, wie viel Arbeit, Erfahrung und Investitionen hinter der Gemüseproduktion stehen“, erklärt Familie Schneider. „Deshalb war für uns klar, dass wir unsere Möglichkeiten prüfen und einen Beitrag zu einer Lösung leisten wollen. Wir entwickeln unsere Verarbeitung weiter und schaffen damit zusätzliche Kapazitäten.“

Laut Pernkopf und Mayr könnte dadurch künftig sogar mehr Gemüse produziert werden als bisher. „Konzerne sperren zu, doch heimische Familienbetriebe und bäuerliche Genossenschaften sichern die Versorgung mit heimischem Gemüse auch in Zukunft“, so die beiden.

Minister Totschnig: „Lücke geschlossen“

Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig zeigte sich erleichtert: „Wir haben in den …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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