E-Control-Vorstand: „In der Reinprechtsdorfer Straße wird es nie Wasserstoff geben“

Wirtschaft

Seit März ist der ehemalige Wien-Energie-Geschäftsführer Michael Strebl Vorstand des heimischen Strom- und Gasregulators. Die ersten Monate bei der E-Control bezeichnet er als „turbulent“: „Es war ein Jump-Start, aber das taugt mir eh“, schildert er am Freitag bei einem Gespräch im Klub der Wirtschaftspublizisten. Als jemand, der seit 1994 in der Energiewirtschaft tätig ist, sei es großartig, „dass der Diskurs über Energie in der gesellschaftlichen Mitte angekommen ist“. Momentan ist in dem Kontext allerdings eher von Krise die Rede.

Stromanteil am Gesamtenergieverbrauch bleibt gleich

„Egal, ob bei den Midterm-Wahlen in den USA oder bei den Protesten in Frankreich: Immer geht es um leistbares Leben und hohe Energiekosten.“ Die rasche Senkung der Preise angesichts der Krise bezeichnet Strebl als eine von drei großen Aufgaben, die er als E-Control-Vorstand erledigen will. Das langfristig große Ziel sei, die Energiewende voranzutreiben. Dabei sei noch viel zu tun. „Bei meiner ersten energiewirtschaftlichen Vorlesung auf der Uni 1991 wurde der Anteil des Stroms am Gesamtenergieverbrauch mit 22 Prozent beziffert. Heute, 35 Jahre später, liegt er immer noch bei 22 Prozent. In der Elektrifizierung hat sich nichts getan.“

Von einem Liter Milch 0,8 Liter wegschütten

Vor allem im Verkehrsbereich, aber auch im Wärmebereich und in der Industrie gelte es, fossile Energieträger rascher zu ersetzen. „Der Switch vom Verbrennungs- zum Elektromotor ist das Gebot der Stunde. Ich finde es traurig, wenn das zu einer ideologischen Debatte wird.“ In den USA sei die Vorliebe für eine der großen Parteien fest mit der Bevorzugung von Verbrennungs- oder E-Motor verbunden. Das sei ein untragbarer Zustand. Für Strebl ist klar, wohin die Reise gehen muss: „Die Energieeffizienz eines E-Autos liegt bei 80 Prozent, jene eines Verbrenners bei 20 Prozent. Mit einem Verbrenner fahren ist, wie wenn man einen Liter Milch kauft und davon 0,8 Liter wegschüttet.“

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Um die Energiewende voranzubringen, wird immer noch stark auf Förderungen gesetzt. Laut Strebl sei es aber wichtig, dass der Prozess „zunehmend zum Selbstläufer“ wird. Die Reform der Netzentgeltstruktur, die ab dem kommenden Jahr umgesetzt wird, sei maßgeblich dafür. „Die Energiewende muss leistbar bleiben und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standortes stützen. Wie schaffen wir das? Durch das Senken von Netzkosten, eine faire Kostenaufteilung und Anreize für den Speicherausbau.“

Der Toaster oder der Föhn sind für Netzentgelte egal

Für die schrittweise Einführung des neuen Tarifsystems, in dem es nun stärker auf Leistung statt auf Strommenge ankomme, sei viel Kommunikation mit Stromkunden angesagt. Der Großteil der Kunden, rund 75 Prozent, „brauchen gar nix tun. Sie brauchen sich nur zu freuen“, sagt Strebl, denn sie profitieren automatisch vom neuen System. Sorgen darüber, zu viele Geräte im Haushalt gleichzeitig zu aktivieren, brauche man sich nicht zu machen. „Wenn es nur um einen Toaster oder einen Föhn geht, kann es Ihnen egal sein.“ Wer hingegen „ein E-Auto lädt, die Sauna aufheizt und den Backofen verwendet“, sollte aufpassen.

Hier seien Netzbetreiber und E-Control gefragt, auf potenziell höhere Netzentgelte hinzuweisen. „Es ist ganz wichtig, Kunden aktiv anzusprechen: Sie laufen Gefahr, dass Sie mehr zahlen müssen.“ Außerdem müsse man Kunden Zeit geben, Anpassungsmaßnahmen zu treffen, etwa ein Energiemanagementsystem anzuschaffen oder eine E-Auto-Wallbox umzuprogrammieren. Die …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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