Umstrittene CCS-Technologie: Wo CO₂ tief unter der Nordsee gespeichert wird

Politik

Wie groß der Hafen von Rotterdam ist, merkt man schon, wenn man mit einem Touristenboot vom Stadtzentrum ablegt. Richtig begreifen kann man es aber eigentlich erst, wenn man mit dem Auto die über 40 Kilometer Hafengebiet entlangfährt. Vorbei an Containern, XXL-Frachtern und Raffinerien bis an den äußersten Rand: die Maasvlakte.

„Von hier oben sieht alles so klein aus“, sagt Reinier Lissenberg und zeigt auf Öltanks und Containerbrücken. „Aber wenn man nah dran ist, merkt man, wie gigantisch sie sind.“ Er steht auf einem Gebäude auf dem Stück Land, das einst in der Nordsee aufgeschüttet worden ist. Vor ihm erstreckt sich ein dichtes Geflecht aus Rohren, Schutt und Baumaterial, Kräne ragen in den Himmel. Dahinter steht ein riesiges, teils verkleidetes Konstrukt: die Kompressorstation, das Herzstück von Porthos.

Porthos, das ist jenes CCS-Projekt, das derzeit im Hafen von Rotterdam entsteht. Die Abkürzung steht für Carbon Capture and Storage. Kurz umrissen heißt das: Industriebetriebe fangen klimaschädliches Kohlenstoffdioxid direkt bei der Produktion auf, statt es in die Atmosphäre zu blasen. Über Pipelines und Kompressoren gelangt das Gas dann in Speicher unter der Erde. Bauleiter Lissenberg zeigt auf eine ehemalige Gasförderplattform 20 Kilometer vor der Küste (siehe oben). Von dort wird das CO₂ drei Kilometer tief in ein erschöpftes Gasfeld gepumpt.

Porthos ist das erste CO₂-Transport- und Speicherprojekt dieser Größenordnung in der Europäischen Union. Ab frühestens der zweiten Jahreshälfte 2027 soll es jährlich 2,5 Mio. Tonnen CO₂ von zunächst vier Unternehmen speichern, mehr als zehn Prozent der Emissionen im Hafengebiet, erklärt Projektdirektorin Gemmeke Groot. Und: „Porthos ist erst der Anfang eines CCS-Netzes in den Niederlanden und darüber hinaus.“ Über das angeknüpfte Aramis-Projekt sollen bald 22 Mio. Tonnen pro Jahr gespeichert werden.

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Vorreiter in der EU

Während man in Österreich in Sachen CCS noch am Anfang steht (die Bundesregierung will das seit 2011 geltende Verbot aufheben) sind die Niederlande damit längst europäische Vorreiter. Und überhaupt, so erzählt Andrea Ramírez Ramírez, werde weltweit bereits viel mehr CCS eingesetzt, als vielen bewusst sei. Die Chemieingenieurin und Professorin an der TU Delft forscht seit mehr als zwei Jahrzehnten zu der Technologie. Derzeit sei das öffentliche Interesse daran groß. Denn CCS gilt heute als unverzichtbar, um die Klimaziele zu erreichen. Und die EU will bekanntlich bis 2050 klimaneutral sein.

Um das zu schaffen, müssen Treibhausgasemissionen deutlich reduziert werden, so weit so klar.  Das ist aber (noch) nicht in allen Bereichen möglich, etwa in der Stahl- oder Zementindustrie,  wo CO₂ bei den chemischen Reaktionen selbst entsteht. Hier kommt CCS ins Spiel. 

Für andere Sektoren kann es zudem als Übergangstechnologie dienen, bis es saubere und leistbare Alternativen gibt, sagt Ramírez Ramírez. Und: „Man will auch das senken, was wir in der Vergangenheit als Emissionen ausgestoßen haben.“ Dafür muss CO₂ aus der Atmosphäre gefischt und unterirdisch gespeichert werden. Direct Air Capture  (DAC) entwickle sich bereits relativ schnell. Am noch anspruchsvolleren Direct Ocean Capture (DOC)  werde auf Hochtouren geforscht, auch in Delft.

Kritik von NGOs

Doch diese Technologien werden auch kritisch gesehen – etwa von Umweltorganisationen. „Einer unserer Hauptkritikpunkte an CCS ist, dass es die fossile Maschinerie am Laufen hält“, sagt Ernst-Jan Kuiper. …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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