Was Künstliche Intelligenz bereits verändert hat

Politik

Viel wurde zuletzt über Künstliche Intelligenz (KI) als mögliche Gefahr für die Menschheit berichtet – von Jobverlust und Desinformation bis zu Cyberangriffen.

Doch was hat KI der Menschheit bisher tatsächlich gebracht?

Im Alltag sind KIs wie ChatGPT, Gemini oder Claude längst angekommen. Aber gibt es auch in Wissenschaft und Forschung echte Durchbrüche?

Nobelpreis für AlphaFold

Der wohl größte bisherige KI-Erfolg wurde 2024 mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet. Demis Hassabis und John Jumper entwickelten mit AlphaFold ein System, das die dreidimensionale Struktur von Proteinen vorhersagen kann – ein jahrzehntealtes Problem der Biologie. Mehr als 200 Millionen Strukturen sind inzwischen frei verfügbar. „AlphaFold und verwandte Methoden haben die Strukturbiologie bereits sehr deutlich verändert“, sagt Bojan Žagrović, Professor für Molekulare Biophysik an der Universität Wien. Experimente, die früher Monate oder Jahre dauern konnten, lassen sich dadurch gezielter planen. Die Grenze erklärt er mit einem Fahrrad: Ein Foto zeigt zwar alle Teile, aber noch nicht, wie das Fahrrad funktioniert, ähnlich wie bei Proteinen, die im Grunde dynamische Maschinen sind.

Christoph Bock, Leiter des KI-Instituts der MedUni Wien, sieht die Stärke der KI vor allem in riesigen „Suchräumen“ aus Molekülen, Proteinen oder genetischen Veränderungen. Beim „Lab in the Loop“ schlägt die KI vielversprechende Experimente vor, das Labor überprüft sie, die Ergebnisse fließen zurück.

Auch die Wettervorhersage hat KI bereits verändert. Das Europäische Zentrum ECMWF betreibt seit 2025 sein KI-System AIFS, das bei vielen Größen bessere mittelfristige Prognosen liefert als klassische Modelle – bei deutlich geringerem Rechenaufwand.

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Paradigmenwechsel

Irene Schicker von GeoSphere Austria spricht von einem „Paradigmenwechsel“, warnt aber vor Grenzen bei Extremen: „KI hat die Wettervorhersage bereits nachweisbar verbessert. Aber wer wissen will, ob ein Unwetter genau diesen Ort trifft und wie heftig es dort wird, braucht weiterhin Beobachtungen, physikalische Modelle und meteorologische Einordnung.“

Wie wichtig das ist, zeigt die Hochwasservorhersage. Google präsentierte 2024 ein viel beachtetes KI-Modell. Hochwasserforscher Günter Blöschl von der TU Wien verweist jedoch auf das Hochwasser im September 2024: Die öffentlich verfügbaren Google-Prognosen hätten alle Donaubrücken Österreichs als überflutet ausgewiesen – tatsächlich sei keine einzige betroffen gewesen. Für diesen Zweck sei das Modell „vollkommen unbrauchbar“.

Solche Systeme funktionierten besonders gut, wenn neue Situationen ihren Trainingsdaten ähneln.

Doch gerade bei unbekannten Extremen könne das zum Problem werden.

Besonders belastbar ist der Nutzen in Teilen der Medizin. In der schwedischen MASAI-Studie wurden mehr als 105.000 Frauen mit oder ohne KI-Unterstützung auf Brustkrebs untersucht. Mit KI wurden mehr Karzinome erkannt, zugleich sank der Befundungsaufwand.

Auch bei Darmspiegelungen zeigen randomisierte Studien, dass KI mehr verdächtige Veränderungen erkennt und weniger übersieht. Ob dadurch langfristig weniger Menschen an Krebs sterben, ist aber noch nicht bewiesen.

Andere Erfolge haben weniger Reichweite, zeigen aber, was bereits möglich ist.

AlphaDev entdeckte schnellere Sortieralgorithmen, die inzwischen etabliert und weit verbreitet sind.

Eine Sprach-Neuroprothese übersetzte 2023 Gehirnsignale einer schwer gelähmten Frau mit bis zu 78 Wörtern pro Minute in Text und synthetische Sprache.

Archäologie mit KI

In Herculaneum machte Machine Learning einen Text in rund 2.000 Jahre alten verkohlten Papyrusrollen lesbar, ohne sie öffnen zu müssen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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