Staatsballett mit „American Signatures“: Aufbruchsstimmung, Trauer und Trost

Kultur

Von Silvia Kargl

Der neue dreiteilige Ballettabend „American Signatures“ mit dem Wiener Staatsballett in der Volksoper bietet viel: nicht nur hervorragende tänzerische Leistungen, sondern auch hochkarätige Choreografien, die von gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Entstehungszeiten zwischen 1945 bis 2023 erzählen.

Ballettdirektorin Alessandra Ferri legt in dieser und auch in der kommenden Saison einen Schwerpunkt auf Choreografien aus dem angloamerikanischen Raum, viele Stücke sind österreichische Erstaufführungen. 

Den Beginn macht „Interplay“ von Jerome Robbins, das zwischen seinem legendären „Fancy Free“ und seiner Choreografie zur „West Side Story“ steht. Der in New York geborene Robbins (1918 – 1998) hat jüdisch-polnische Wurzeln, sein Zugang zum Ballett mischt die europäische Ballettklassik mit Musik US-amerikanischer Komponisten (hier: Morton Goulds „American Concertette“ für Klavier und Orchester). Dazu schildert er die Aufbruchsstimmung der Jugendlichen in New York nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, bricht durch vom Alltag inspirierte Bewegungen und Santo Loquastos Kostüme mit dem Ballettkanon. Verliebtsein, Feiern, Partystimmung und Tanz mit ungeheurem Drive zeigten schon 1945 in Richtung von Musicalchoreografien.

Darauf folgen zwei zeitgenössische Pas de deux. „Dispatch Duet“ von Pam Tanowitz zu Musik von Ted Hearne zeigt ein Paar in einer offenen Beziehungsstudie. In Kostümen, die an den Konstruktivismus erinnern (Reid Bartelme und Harriet Jung), tanzen Sinthia Liz und Duccio Tariello einen Dialog von gleichberechtigten Partnern, in dem sie sich auch an das Orchester unter der Leitung von Robert Reimer und an das Publikum wenden.

Ausgefallen

Als weiterer Pas de deux überzeugt Lar Lubovitchs „Each in Their Own Time“ mit Davide Dato und Rinaldo Venuti. Unglaublich, wie beide im Einklang mit Klavierstücken von Brahms (Klavier: Shino Takizawa) tanzen. Dass Lubovitch zudem als Choreograf von ausgefallenen Küren beim Eiskunstlauf bekannt ist, dringt auch in diesem Männerduett durch. Zum Abschuss zeigt der Ballettabend mit Jessica Langs „Let Me Mingle Tears With Thee“ zu Pergolesis „Stabat Mater“ eine stark an Bildern orientierte Choreografie, die Sterben, Tod, Trauer und Trost in den Mittelpunkt rückt.

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Alle Stücke spielen vor einem schlichten Hintergrund, es gibt kein wesentliches Bühnenbild. Mit 22 Tänzerinnen und Tänzern ist nicht einmal ein Viertel der ausgezeichneten Compagnie zu sehen – hoffentlich kein Signal für die Zukunft.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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