
von Susanne Zobl
Gehören Sie auch zu jenen Menschen, die immer, wenn sie wo angekommen sind, auf den Schrittzähler ihres Handys oder Ihrer Smartwatch blicken? Haben Sie sich dabei ertappt, dass Sie den Heimweg um ein paar Gassen verlängern, damit ihr Schrittkonto das Pensum von 10.000 erreicht?
Gut möglich, dass Sie anders über so etwas denken, wenn sie „KörperSchafft“ von Luna Project gesehen haben. Das Theaterkollektiv widmet sich damit aktueller Selbstausbeutung. Oft getrieben von Influencer-Personen streben die Menschen nach dem perfekten Körper. Ohne Smartwatch, die jeden Move dokumentiert, ohne Überdosis an Selbstdisziplinierung geht es nicht.
Vorbild ist der Tiktok-Trend „That Girl“. Um sechs Uhr wird aufgestanden, Zitronenwasser, Proteine, Bewegung, Essen, alles geschieht nach strengem Timing und Maß. Selbstoptimierung heißt die Devise.
Kontaktaufnahme
Dass diese den Körper oft total überfordert, ist den Menschen egal. Auf dessen wirkliche Bedürfnisse achtet niemand mehr. Die einzige Hoffnung ist die Institution „Körperschaft“. Die soll dem Körper helfen, mit seinem Menschen Kontakt aufzunehmen. Das geschieht so: der Körper findet sich in der „Problemzone“ ein und wartet, bis sein Mensch bereit ist, mit ihm zu sprechen. Wie lange es dauert, bis es so weit ist, lässt sich nicht voraussehen. Ein Körper verharrt bereits 20 Jahre im Ungewissen. Doch die Situation ist nicht aussichtslos, denn es gibt den perfekten Menschen, sagt dieser Körper. Der braucht keinen Schrittzähler, trinkt, wenn er Durst hat und schläft, wenn er müde ist. So einfach ist das.
Jo Bertl, Anne-Sophie Delmas und Amina Mostageer verkörpern diese ausgebeuteten Bodys furios mit Witz, da trifft einen jede Pointe. Großartig auch die choreografischen Einlagen. In die Ovationen vom Premierenpublikum im Off-Theater stimmte man gern ein.
Source:: Kurier.at – Kultur



