
„Bildung wird vererbt“: Wie weit Kinder im österreichischen Bildungssystem kommen, hängt weiterhin stark vom Bildungsabschluss ihrer Eltern ab. Das zeigt eine neue Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS).
Bereits in der Elementarstufe (Volksschule) besuchen sechs Prozent der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben, eine Sonderschule. Bei Kindern tertiär gebildeter Eltern ist es ein Prozent.
ÖVP-Bildungssprecher Nico Marchetti verwies am Dienstag in der ZIB 2 auf frühe Defizite der Kinder beim Schuleintritt und plädierte dafür, „ganz vorne im Bildungssystem“ anzusetzen. Er nannte als Beispiel Wien, wo „50 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die die Schule beginnen, außerordentliche Schüler“ seien; davon seien 60 Prozent in Österreich geboren. Daraus leitete er ab, man müsse verhindern, dass die Kinder „nicht schon mit einem Rucksack an Defiziten ihre Schulkarriere starten“. Elementarpädagogik und Volksschule seien die zentralen Bereiche, in denen angesetzt werden müsse.
Heinrich Himmer (SPÖ), ehemaliger Lehrer und später Wiener Bildungsdirektor, stimmte zu, verwies jedoch auf weitere Maßnahmen, etwa den Ausbau der ganztägigen Schule „quer durch Österreich“.
Beim Thema allgemeine Ganztagsschule vertrat Marchetti den bekannten Standpunkt der ÖVP, die eine Verpflichtung ablehnt. „Nicht jede Familie benötigt eine Ganztagsschule“, sagte Marchetti. Zudem könne der Staat „niemals ein Elternhaus komplett ersetzen.“
SPÖ-Ziel: Ganztagsschule als „Regelfall“
Himmer widersprach und erklärte, eine verpflichtende ganztägige Schule biete Chancengleichheit. Die unterschiedlichen Voraussetzungen in Familien verorte die SPÖ als „unfair“. Der Staat habe die Aufgabe, ein Bildungssystem zu schaffen, in dem jedes Kind „von Beginn an die gleichen Chancen“ habe. Auf die Frage, warum Wien nur in 60 Prozent der öffentlichen Pflichtschulen eine schulische Ganztagesbetreuung anbiete, verwies Himmer darauf, Wien habe die immerhin höchste Anzahl an Ganztags-Pädagogik.
Die weitere Umstellung müsse „Zug um Zug“ erfolgen, auch wegen baulicher und inhaltlicher Voraussetzungen der Schulen. Ziel sei es, dass Ganztagsschule österreichweit „der Regelfall“ werde.
„Volksschule bis zwölf kommt mit der ÖVP nicht“
Marchetti lehnte auch eine Ausweitung der Volksschule auf sechs Jahre bis zum Alter von zwölf Jahren ab. Er sehe die Debatte lieber „ganz pragmatisch“ und wolle, „dass es im Klassenzimmer besser wird“.
Die Volksschule sei bereits eine gemeinsame Schule, funktioniere aber „offensichtlich nicht gut genug“, wenn Kinder „nach vier Jahren Schule und einem Jahr Kindergarten noch immer nicht ausreichend lesen können“ oder noch immer nicht ausreichend Deutsch können“.
„Volksschule bis zwölf kommt mit der ÖVP nicht“, hielt Marchetti fest.
Verkürzung der Sommerferien?
Zum Vorschlag von Wirtschaftskammerpräsidentin Martha Schulz, die Sommerferien auf sechs Wochen zu verkürzen, erklärte Marchetti, dass es für viele Eltern eine „kostspielige“ Herausforderung, neun Wochen Ferien zu organisieren. Er schlug vor, Schüler-, Lehrer- und Elternvertretungen einzubinden und verschiedene Optionen zu prüfen, darunter die verpflichtende Sommerschule oder ein dichteres Netz an Ferienbetreuung.
Himmer entgegnete, eine Verkürzung der Sommerferien ohne gleichzeitigen Ausbau der Ganztagsschule würde Eltern erst recht vor Herausforderungen stellen. Wenn Familien entlastet werden sollen, brauche es „einen Ausbau der Ganztägigkeit und nicht nur eine Diskussion über kürzere Ferien.“
Source:: Kurier.at – Politik



