Ermittler zu Pilnacek: „Suizid stand und steht außer Zweifel“

Politik

Auf den ersten Blick schien Tag 13 im Pilnacek-U-Ausschuss ein „Füll-Tag“ zu sein. Man hat ja schon einige Polizisten und Staatsanwälte gehört. Insofern war die Erwartungshaltung mau – was sollten ein weiterer Oberstaatsanwalt und ein Mord-Ermittler schon Neues erzählen?

Wie so oft kam es anders. Denn tatsächlich boten Ermittler Markus P. und Oberstaatsanwalt Richard R. spannende Einblicke, warum sie beide der Ansicht sind, dass in der Causa Christian Pilnacek gut gearbeitet wurde.

Leichenfund

Vielleicht beginnt man mit Markus P.: Der Mann ist ein erfahrener Kriminalist und stellt vorweg klar, dass unter seiner Aufsicht in Niederösterreich noch bei keinem Leichenfund ein Mord übersehen worden ist. Zu Pilnacek sagt er folgenden Satz: „Der Suizid stand und steht außer Zweifel.“

P. argumentiert dies nicht mit Gefühl oder Wahrscheinlichkeiten. Es ist für ihn die Summe aller Fakten.

Vor Ort, also am Rande jenes Donau-Arms, in dem Pilnacek gefunden wurde, habe es bis auf Pilnaceks Spuren keinen einzigen Hinweis auf andere Personen gegeben.

Die Leiche, sagt P., habe keine Anzeichen von Gewalt von einem oder mehreren Tätern ergeben. „Auch die Kleidung war unbeschädigt.“ Und Hände bzw. Gliedmaßen hätten eben keine typischen Abwehrspuren aufgewiesen, wie man sie als Ermittler kennt.

Es fehlten also Indizien für Mord oder Totschlag. Um exakt zu wissen, woran der Sektionschef starb, gab es die Obduktion – die den Verdacht des Ertrinkens bestätigt habe.

Geisterfahrt 

War das alles? Mitnichten. P. erinnert daran, dass auch alle Begleitumstände auf einen Suizid hingedeutet haben: Führerscheinabnahme und Geisterfahrt bedeuteten für Pilnacek straf- und dienstrechtliche Konsequenzen. Das belastet. Zudem habe Pilnacek persönliche Gegenstände wie Handy und Schlüssel vorsorglich im Haus deponiert. Wer tut das, wenn er „nur“ einen Spaziergang macht? Und schließlich hat der Sektionschef eine Nachricht verschickt, die man als Abschiedsnote verstehen muss: „ich bin fertig. ich kann nicht mehr. alles liebe.“

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Was aber, wenn doch alles anders war?

Hier lohnt ein Hinweis auf die Aussage von Oberstaatsanwalt R.: Kriminalistik und Strafverfolgung funktioniere halt nicht nach dem Prinzip „Was könnte alles gewesen sein“. Wenn man Dinge nicht wisse, dann sei das fundamental etwas anderes, als wenn es Hinweise auf eine Tat gebe. Die Justiz brauche aber diese konkreten Hinweise, sagt er – alles andere wäre Willkür und in einem Rechtsstaat zudem Amtsmissbrauch. Und weil bei Pilnacek kein einziger Ermittler Hinweise für ein Fremdverschulden sah, wurde die Theorie auch nie verfolgt – warum auch?

Auftritt der Witwe

Heute, Donnerstag, ist im Parlament mit großem Interesse zu rechnen. Der Grund: Pilnaceks Witwe, Caroline List, soll befragt werden. List ist Präsidentin des Landesgerichts für Strafsachen in Graz und hat angekündigt, sie wolle die Öffentlichkeit ausschließen. Dass Vorsitzender Walter Rosenkranz dem zustimmt, gilt als eher unwahrscheinlich.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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