
2022 ist Saman Soltani aus ihrer Heimat Iran geflüchtet, kurz, bevor dort die großen zivilen Unruhen losgegangen sind. Sie landete in Österreich, wo sie an der Neuen Donau im Kanuverband eine neue Heimat fand und sich bis zu den Olympischen Spielen paddelte.
Vor einem Jahr erhielt Soltani die Staatsbürgerschaft. Ein Jahr später steht sie – ab Freitag – an der Startlinie des Weltcup im ungarischen Szeged. Einst startete sie unter den Farben ihrer Heimat Iran, 2024 in Paris unter jener des IOC. Jetzt erstmals als rot-weiß-rote Athletin. Mit dem KURIER sprach sie über die Bedeutung des Neustarts.
Was bedeutet es Ihnen, nun wirklich erstmals Österreich zu vertreten?
Es bedeutet mir wirklich alles. Es geht nicht nur darum, ein neues Land zu repräsentieren – es geht um ein neues Kapitel und eine zweite Chance. Ich bin stolz, dankbar und bereit, Österreich mit ganzem Herzen zu vertreten.
Welche Bedeutung hat es generell, ein Land zu „repräsentieren“?
Für mich bedeutet es, seine Vergangenheit mit Stolz zu tragen, seine Gegenwart mutig anzunehmen und nach etwas Größerem als sich selbst zu streben.
Gab es einen Moment, in dem Sie dachten: „Jetzt bin ich wirklich angekommen?“
Es gab zwei wichtige Momente für mich: Der erste war, als ich anfing, ein bisschen Deutsch zu verstehen – das gab mir ein Gefühl der Zugehörigkeit und half mir, mich mehr als Teil des Alltags zu fühlen. Der zweite war, als ich die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt. Er machte alles realer. „Ankommen“ ist kein einzelner Moment – es ist etwas, das mit der Zeit wächst. Und ich baue diese Verbindung jeden Tag weiter aus.
Wie hat Sie Ihre Fluchtgeschichte mental gestärkt – und wo wirkt sie sich heute noch aus?
Auswandern verändert einen komplett. Gleichzeitig hat es mich mental extrem stark gemacht. Ich habe gelernt, mich anzupassen, immer weiterzumachen, egal was passiert, und auch in unsicheren Situationen konzentriert zu bleiben. In gewisser Weise hat es mir auch eine andere Art von Freiheit geschenkt. Wenn man alles hinter sich lässt, hat man das Gefühl, nichts mehr verlieren zu können – und das macht einen unbezwingbar.
Wie haben Sie die Nachrichten über die Ereignisse im Iran in den letzten Monaten verfolgt?
Es war eine sehr schwierige und herausfordernde Zeit für mich. Es ist alles anders als einfach und kann mental sehr belastend sein. Manchmal habe ich deswegen Schlafprobleme und kann mich nur schwer erholen, aber ich versuche mein Bestes, mich auf mein Training und meine Leistung zu konzentrieren. Sport gibt mir Struktur und hilft mir, auch in schwierigen Momenten stark zu bleiben.
Welche Ziele verfolgen Sie?
Im Sport: Mich für die Olympischen Spiele 2028 zu qualifizieren und dort um eine Medaille zu kämpfen. Ich weiß, dass dies vollen Einsatz, Beständigkeit und ständige Verbesserung erfordert. Aber auch abseits des Sports habe ich mich weiterentwickelt. Ich habe meine eigene Website, halte Vorträge als Keynote-Speaker und biete Mentoring für Gruppen und Einzelpersonen an. Ich habe viel Freude daran, eine Erfahrung zu teilen.
Source:: Kurier.at – Sport



