
Dem Vernehmen nach sind die nötigen Entwürfe in der finalen Abstimmung. Wenn alles gut geht, könnte ein gesundheitspolitisches Prestigeprojekt dieser Regierung tatsächlich wie geplant mit Jahresbeginn starten: Das Impfen in den Apotheken.
Ein Angebot, das es in 19 europäischen Ländern bereits gibt und das dabei helfen soll, die im internationalen Vergleich niedrigen Impfraten zu heben. Beispiel FSME: Obwohl gerade in Österreich Zecken sehr verbreitet sind, sank der Anteil der Menschen, die sich im von Experten empfohlenen Impfschema befinden, von 70 Prozent im Jahr 2011 auf mittlerweile nur mehr 28 Prozent, rechnet Nicole Zahradnicek vom Verband der Impfhersteller vor. „Mit der Folge, dass es heuer schon 155 FSME-Fälle gab. Im gesamten Vorjahr waren es nur 132.“ Zu wünschen übrig lasse auch die Durchimpfungsrate bei der HPV-Impfung, die vor bestimmten Krebserkrankungen schützt.
Umgekehrt hätten jene Länder, die das Impfen in den Apotheken eingeführt haben, sehr positive Erfahrungen gemacht: „In Irland etwa stieg nach dem Start 2011 die Influenza-Durchimpfungsrate um 50 Prozent“, sagt Zahradnicek.
Geht es nach den Impfstoff-Herstellern, soll das Impfen in den Apotheken so rasch als möglich beginnen, also im Jänner 2027. Und zwar mit ein paar ausgewählten Impfungen (etwa HPV, FSME und Keuchhusten), um erste Erfahrungen zu sammeln. Dann sollte eine schrittweise Ausrollung erfolgen, bis im Endausbau alle Erwachsenen-Impfungen mit Totimpfstoffen in der Apotheke angeboten werden. Impfungen mit Lebendimpfstoffen (zum Beispiel Masern, Mumps, Röteln) sollen in der Hand der Ärzte bleiben.
Die unmittelbar Betroffenen, also die Apotheken selbst, halten wenig von so einer Vorgehensweise: „Deutschland hat sehr zögerlich begonnen und sich zunächst auf einzelne Impfungen beschränkt“, sagt Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Apothekerkammer, zum KURIER. „Das hat aber nicht funktioniert, weshalb man die Strategie korrigieren musste. Wir sollten nicht den gleichen Fehler machen.“ Zumal man ja auf die Erfahrungen anderer Länder zurückgreifen könne.
Die Hauptkritik der Ärztekammer, die einschlägige Ausbildung sei im Vergleich zu jener der Ärzte rudimentär, lässt sie nicht gelten: „Ärzte haben keine spezielle Impfausbildung.“ In der Pandemie, als erstmals der politische Wunsch nach dem Impfen in der Apotheke laut wurde, habe man begonnen, basierend auf den Erfahrungen anderer Länder Ausbildungsunterlagen zu entwickeln. Inzwischen habe man ein Programm unter Einbeziehung von Ärzten vorliegen, das einen theoretischen wie einen praktischen Teil inklusive Notfallausbildung umfasse. 3.000 Apotheker hätten es schon absolviert.
Die Apotheken würden auch über die nötigen Räumlichkeiten verfügen, versichert die Präsidentin. „In der Pandemie, als wir die Tests durchgeführt haben, haben wir gezeigt, dass wir in dieser Hinsicht sehr flexibel sind.“
Impfbereitschaft
Laut Mursch-Edlmayr müssen nicht zwingend alle 1.470 Apotheken Impfungen anbieten, viel wichtiger sei, dass es eine bundesweit flächendeckende Versorgung gebe.
Bleibt noch das Thema Kosten: In der Sozialversicherung geht man davon aus, dass die für das Impfen reservierten Gelder aufgestockt werden müssen, weil mehr Impfstoff benötigt wird.
Im Idealfall sei das aber gar nicht erforderlich, hofft die Apothekerkammer-Präsidentin. „In der Vergangenheit hatten wir einen Verwurf von ein paar hunderttausend Impfdosen, weil sie aufgrund der Unterbrechung der Kühlkette nicht umgeschichtet werden konnten. Dieses Problem könnte mit dem Impfen in der Apotheke verringert werden“, so Mursch-Edlmayr, die auch jene Ärzte zu beruhigen versucht, die nun um ihr Geschäft bangen: …read more
Source:: Kurier.at – Politik



