Frankreich: Glucksmann ist Kandidat der Sozialisten – doch neue Hürden warten

Politik

Es ist nicht neu, dass in Frankreich Politiker von Kritikern mit Mehl beworfen werden. Raphaël Glucksmann hatte trotzdem wohl kaum damit gerechnet – zumal es im Moment großer Freude passierte. Gerade war der französische Politiker bei der Vorwahl der Parti Socialiste, seiner eigenen Bewegung, Place publique und einer weiteren Splitterpartei klar mit 66 Prozent der gut 120.000 Stimmen zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 gekürt worden. Auf dem Weg zu einem Auto, das am Sonntagabend auf ihn wartete und während er noch in das Mikrofon eines Journalisten sprach, schüttete ihm ein Passant plötzlich von hinten eine Schüssel Mehl über Kopf und Schultern.

Glucksmann beendete seinen Satz nicht mehr, schlüpfte schleunigst auf die Auto-Rückbank und brauste davon, um den Kameras möglichst wenig Gelegenheit zu geben, die für ihn unvorteilhafte Szene zu filmen. Als er an der Parteizentrale ankam, ließen dort Anwohner Reis auf ihn rieseln. In ihren Fenstern hingen Banner der Linkspartei La France Insoumise (LFI).

Der 46-Jährige hat ein Ende der „Hegemonie“ des LFI-Gründers und Kandidaten Jean-Luc Mélenchon im linken Lager angekündigt. Dieser gilt tatsächlich als besonders charismatisch und erfahren, polarisiert aber auch stark. Glucksmann lehnt eine Allianz der beiden linken Strömungen ab, jener sozialdemokratisch geprägten, europafreundlichen Linie, die er selbst vertritt, und Mélenchons radikalerer Ausrichtung.

Zugleich kündigte er den Kampf gegen die Rechtsextremen als seinen „Hauptgegner“ an. „Nein, Marine Le Pen wird 2027 nicht in den Élysée-Palast einziehen“, versprach der Politiker am Sonntagabend. Die Wahlen finden in zwei Runden im April und Mai statt.

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Der Sohn des Philosophen André Glucksmann sitzt seit 2019 im Europaparlament, nachdem er 2018 mit Gleichgesinnten seine Bewegung „Place publique“ gegründet hatte. Zuvor arbeitete er als Essayist und Dokumentarfilmer und beriet mehrere Jahre den früheren georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili. So baute er sich ein starkes außenpolitisches Profil auf, fordert ein geeintes, starkes Europa, um den Autokraten dieser Welt etwas entgegenzusetzen. Weniger klar äußert er sich hingegen zu innenpolitischen Themen, von der umstrittenen Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron, die ausgesetzt wurde, bis zur Schuldenproblematik.

Eine neue Dynamik

Für ihn geht es nun darum, eine neue Dynamik zu entfachen, um möglichst nah an Mélenchon heranzukommen oder ihn zu überholen. Andernfalls könnte im Winter der sozialistische Ex-Präsident François Hollande versucht sein, ebenfalls seine Kandidatur anzukündigen und ihn zu verdrängen.

Die Umfragen führt derzeit die Rechtsextreme Le Pen mit mindestens 35 Prozent an. Auf sie folgt Mélenchon mit 18 bis 19 Prozent und erst dahinter kommen die Kandidaten des Mitte-Felds, darunter Glucksmann. Aktuell sehen ihn die Demoskopen bei zehn bis 14 Prozent.

Entscheidend wird nicht nur sein, die Grünen auf seine Seite zu bekommen, die sich bislang als Bindeglied zwischen allen linken Strömungen verstehen. Glucksmann hofft auch auf die volle Rückendeckung der Sozialisten, für die er im EU-Parlament sitzt. Er braucht das Geld der Partei, um den Wahlkampf zu finanzieren. Die vier Mitbewerber der Vorwahlen haben ihm zwar ihre Unterstützung zugesichert.

Doch die Ex-Präsidentschaftskandidatin und -ministerin Ségolène Royal, die ebenfalls angetreten war, bedauerte, dass die Sozialisten erstmals in der Geschichte der Partei keinen eigenen Präsidentschaftskandidaten aufstellen – sondern „den Praktikanten“ Glucksmann. Als solchen hatte sie ihn …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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