Impfen in der Apotheke könnte Anfang 2027 Realität werden

Politik

Es war ein langes, zähes Ringen, das schon unter der Vorgängerregierung begann. Doch nun dürfte ein gesundheitspolitisches Prestigeprojekt unmittelbar vor dem Abschluss stehen: das Impfen in den Apotheken. Dem Vernehmen nach laufen gerade die letzten Verhandlungen zwischen Bund und Apotheken, somit könnte das Programm tatsächlich wie angepeilt im kommenden Jahr starten.

Offiziell geben sich die Beteiligten mit Verweis auf die noch laufenden Gespräche bedeckt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was soll das Impfen in den Apotheken eigentlich bringen?

Im europäischen Vergleich ist die Impfbereitschaft der Österreicher relativ niedrig. So ist beispielsweise nur knapp ein Viertel der Bevölkerung über 65 Jahren gegen Influenza geimpft. In Deutschland sind es um die 40 Prozent, andere Länder kommen auf noch höhere Raten. Die Hoffnung der Regierung ist: Werden zusätzliche Angebote außerhalb der Arztordinationen geschaffen, die ein rasches und unkompliziertes Impfen ermöglichen, ließen sich die Durchimpfungsraten erhöhen.

Naheliegender Kandidat sind die Apotheken – neben dem Hausarzt wohl jetzt schon für viele die wichtigste Anlaufstelle in Gesundheitsfragen. In etlichen anderen EU–Ländern kann man sich in Apotheken bereits impfen lassen – mit durchaus guten Erfahrungen, lautet das Argument der Projektbefürworter.

Wie ist der Stand der Verhandlungen?

Noch sind dem Vernehmen nach eine Reihe von Details zu klären. Etwa, welche Ausbildungsstandards das Impfpersonal in den Apotheken erfüllen muss. Damit verknüpft sind auch Haftungsfragen. Eine Herausforderung ist auch die Verteilung der Impfstoffe. Sie sorgt jetzt schon fast jede Saison für Probleme. So gab es zuletzt wieder, wie berichtet, Engpässe bei der Lieferung von Grippeimpfstoffen, weshalb das Gesundheitsministerium 100.000 zusätzliche Dosen eines anderen Präparats organisieren musste.

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Mit den Apotheken käme ein zusätzlicher Player auf das Spielfeld, der die Verteilung noch komplizierter machen könnte, so lautet die Befürchtung von Skeptikern. Diskussionsbedarf gibt es offenbar auch bei der Finanzierung, wie zuletzt die „Presse“ berichtete. Aktuell sind für das kostenlose öffentliche Impfprogramm 450 Millionen Euro bis 2028 vorgesehen. Für das Impfprogramm in den Apotheken und die zusätzlich erforderlichen Impfdosen werden wohl weitere Mittel nötig sein.

Wie ist der mögliche Fahrplan?

Wenn alles gut geht, könnte das Programm zu Jahresbeginn starten. Überlegt wurde zuletzt eine Ausrollung in mehreren Etappen – beginnend mit jenen Impfungen, die nicht Teil des kostenlosen Impfprogramms sind, also etwa die FSME-Immunisierung (siehe Grafik). Jedenfalls sollen in den Apotheken nur Erwachsene geimpft werden dürfen.

Welche Bedenken gibt es gegen das Impfen in der Apotheke?

Widerstand gegen das Vorhaben kam in der Vergangenheit insbesondere aus der Ärztekammer. Aber weniger, weil man sich vor Konkurrenz fürchte, die mit den Apotheken den impfenden Hausärzten erwachsen würde, wie bei der Standesvertretung betont wird. Vielmehr gehe es um Sicherheitsfragen: „Impfen ist mehr als nur ein Stich. Es ist ein komplexer Prozess: von der Feststellung der Impftauglichkeit über das Aufklärungsgespräch und das gekonnte Applizieren der Spritze bis hin zur Nachbeobachtung der geimpften Person samt Ergreifen möglicher notfallmedizinischer Maßnahmen im Falle von Nebenwirkungen“, warnte man in der Standesvertretung in den vergangenen Monaten gebetsmühlenartig. Für Präsident Johannes Steinhart sei Impfen aus gutem Grund eine ärztliche Leistung: „Zwölf Jahre harte Ausbildung können nicht mit einem Wochenendkurs aufgewogen werden.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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