Putins verkleinerte Parade spiegelt die russische Verletzbarkeit

Politik

Die Schaulustigen waren gekommen, die Staatsgäste – unter ihnen der slowakische Präsident Robert Fico – und sogar Hunderte Soldaten aus dem benachbarten Nordkorea. Und doch wirkte die Moskauer „Siegesparade“, die in Wladimir Putins Militärstaat eigentlich den jährlichen Höhepunkt der nationalen Feierlichkeiten bilden soll, wie ein Spiegelbild der festgefahrenen Situation an der Front.

Anders als in all den Jahren zuvor waren diesmal keine Panzer, Raketen und Atomsprengköpfe auf dem Roten Platz zu sehen. Auch der Mobilfunk wurde stark eingeschränkt. Eine Anordnung Putins – aus Sorge um ukrainische Drohnenangriffe, die zuletzt regelmäßig tief im russischen Herzland eingeschlagen waren.

Putin vergleicht Ukraine-Krieg mit Zweitem Weltkrieg

Als der Präsident am Samstag vor der Basilius-Kathedrale an sein Rednerpult trat, wollte er jedoch nichts davon wissen, dass Russland in diesem Krieg zunehmend verletzlicher wird. „Der Sieg war immer und wird immer auf unserer Seite sein“, rief Putin seinen Soldaten zu. „Der Schlüssel zum Erfolg ist unsere moralische, ethische Stärke, unser Mut und unsere Tapferkeit, unser Zusammenhalt, unsere Fähigkeit, alles durchzustehen und jede Prüfung zu bestehen.“

Mit der jährlich am 9. Mai stattfindenden Militärparade wird in Russland der Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg gefeiert. Zwar hatte das Dritte Reich am Abend des 8. Mai 1945 kapituliert, doch aufgrund der Zeitverschiebung erreichte die Nachricht Moskau in den Morgenstunden.

In seiner Rede verglich Putin den heutigen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit der damaligen Gegenoffensive. Russlands Soldaten seien heute inspiriert von der „Generation der Sieger“: Wie im Zweiten Weltkrieg stünden sie „einer aggressiven Macht entgegen, die vom gesamten NATO-Block bewaffnet und unterstützt wird.“ Trotz der westlichen Unterstützung für die Ukraine behauptete Putin, seine Truppen würden „wie Helden vorwärtsmarschieren“.

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Selenskij „erlaubt“ Parade

Tatsächlich bewegten sich die Frontlinien in der Ukraine seit Monaten kaum. Zwar richtet Russland mit Raketenangriffen weiterhin Schäden in ukrainischen Städten an, doch russische Bodentruppen erleiden wegen der ukrainischen Drohnen-Übermacht auf dem Schlachtfeld schwere Verluste.

Zumindest bis Montagabend werden die Kämpfe ohnehin pausiert sein. Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump schließlich über seine Plattform Truth Social eine dreitägige Waffenruhe verkündet. Sowohl Moskau als auch Kiew hätten dem US-Vorschlag zugestimmt, beide Seiten werden außerdem jeweils 1.000 Kriegsgefangene austauschen. Das sei „hoffentlich der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart ausgetragenen Krieges“, so Trump.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij nutzte die vermittelte Waffenruhe für eine rhetorische Breitseite: Er erteilte Russland in einem Erlass die „Genehmigung“ der ukrainischen Regierung, die Militärparade auf dem Roten Platz ausrichten zu dürfen. Darin heißt es: „Ich ordne hiermit an, die Abhaltung einer Parade in der Stadt Moskau am 9. Mai 2026 zu gestatten.“ Eine selbstbewusste Anspielung auf die jüngsten ukrainischen Erfolge.

Kremlsprecher Dmitri Peskow reagierte pikiert: „Wir brauchen von niemandem eine Erlaubnis. Wehe dem, der versucht, sich über den Tag des Sieges lustig zu machen und solche dummen Witze zu reißen.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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