
Offensiv, geradlinig, ehrlich – so wie einst auf dem Spielfeld bleibt Andreas Ogris, 62, der soeben mit seinem 200. digitalen LAOLA1-Stammtisch Jubiläum feierte, auch in Interviews seinen Attributen treu.
Wie Austrias legendärer ehemaliger Meisterkicker übers 351. Wiener Derby denkt, wird nicht alle bei seinem Lieblingsklub freuen.
KURIER: Ein Blick auf die Tabelle degradiert die Austria zum klaren Außenseiter. Oder hat auch dieses Derby eigene Gesetze?
Andreas Ogris: Diesmal gilt diese alte Weisheit nicht. Dazu ist der Unterschied zwischen den Rapidlern, die zurzeit wirklich einen guten, erfolgreichen Fußball spielen, und meiner Austria zu groß.
Werden Sie vor Ort sein?
Nein. Ich gehe am Sonntag nicht ins Austria-Stadion, weil ich vielleicht meinen Mund nicht halten tät’ und einiges sagen könnte, das gar nicht gut ankommen würde. Das dort droben ist nimmer meine Partie.
Vor Austrias letztem Ligaspiel, das in Altach verloren wurde und Trainer Helm den Job kostete, hatten Sie gesagt, dass Sie ein ganz schlechtes Gefühl plage.
Ich hätte mich gern geirrt. Auch weil Stephan Helm in den letzten zwei Jahren sehr gute Arbeit geleistet hat. Um vorn mitzuspielen, dafür fehlte zurzeit die Qualität. Vor allem, wenn’st mit dem Eggestein nur einen Einzigen hast, der die Hüttn trifft. Der Helm tut mir leid. So wie mir momentan einige der ganz jungen Austrianer leidtun, die ihren Weg noch machen können. Aber Fußball ist halt ein Ergebnissport.
Droht Austria sogar erstmals der Abstieg?
Solange es den Wolfsberger AC gibt, nicht. Andrerseits, der als Feuerwehrmann zurückgeholte Manfred Schmid wird wissen, was dort zu tun ist.
Haben Sie ein Wiener Derby aus Ihrer Spielerkarriere besonders in Erinnerung?
Das Cupfinale 1990. Als wir noch 3:1 gewannen, nachdem Rapid durch ein Fjörtoft-Tor lange 1:0 geführt hatte, ehe ich in der 92. Minute den Ausgleich schoss. In der Verlängerung haben uns dann Stöger und Hasenhüttl zum Pokal g’schossen. Während Rapid, weil Krankl als Trainer nicht mehr mit einer Verlängerung rechnend, schon seine Stürmer ausgetauscht hatte.
Von Ihrem Spielstil her, hieß es unter Experten immer wieder, hätten Sie eigentlich optimal zu Rapid gepasst. Stand Rapid denn für Sie nie zur Diskussion?
Oh ja. Als 10-jähriger habe ich bei Rapid ein Probetraining in der Halle gemacht. Geholt vom FAC aber hat mich kurz danach die Austria, bei der es mir sofort gefiel.
Als Sie schon begehrter Teamstürmer und WM-Torschütze waren, soll der Name Ogris bei Rapid aber sehr wohl noch ein heißes Thema gewesen sein.
Das war in der Zeit, als man nach dem Tod des unvergesslichen Austria-Bosses Joschi Walter, selbst Herbert Prohaska und seine Co-Trainer bei der Austria nicht mehr wollte. Das sehr gute Angebot von Rapid war schon unterschriftsreif. Ich hab’s dann trotzdem nicht angenommen. Und mir gesagt: Zum ärgsten Rivalen zu wechseln – das geht nicht, wenn man so viele „klasse Freund‘“ bei der Austria hat.
Wie denken Sie aktuell über Rapid?
Speziell in der Offensive gefallen mir die Grün-Weißen sehr. Auch körperlich sind sie unter Trainer Hoff Thorup top. Was auch für Yusuf Demir gilt. Dass der kicken kann, wusste man. Jetzt bekommt er vom Trainer das Vertrauen und rechtfertigt es. Nachdem er in Istanbul eine schwere Zeit gehabt hat und kaum zum …read more
Source:: Kurier.at – Sport



