
Die Banken in Zentral- und Südosteuropa (CEE/SEE) haben sich in den vergangenen Jahren als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Ob Ukraine-Krieg, Energie- oder Inflationskrise 2022/23, die zunehmenden Handelsspannungen im Jahr 2025 oder der anhaltende Konflikt im Nahen Osten – sie haben wiederholt bewiesen, dass sie auch in einem anspruchsvollen geopolitischen und wirtschaftlichen Umfeld bestehen können.
„Die Ertragslage der Banken in diesen Regionen ist sehr gut“, sagt RBI-Chefökonom und Autor des „CEE Bankenreport“ Gunter Deuber. Denn das makroökonomische Umfeld sei trotz der genannten Krisen weiterhin intakt – mit Wachstumsraten von heuer teilweise deutlich mehr als drei Prozent, selbst in Ungarn sind es 1,7 Prozent. Diese Entwicklung wird sich laut Deuber fortsetzen.
Angesichts von Arbeitslosenquoten unterhalb des Durchschnitts der Eurozone entwickle sich auch der Kreditsektor gut, die Zahl der notleidendenden Kredite liege auf historischen Tiefständen. Nicht zuletzt würden sie sich auch als profitabler erweisen, selbst die schwierigeren Märkte Rumänien (rückläufiges BIP) und Ungarn (hohe Bankenabgaben) wiesen eine höhere Eigenkapitalrendite auf als westeuropäische Institute.
Expansion
Für diese beiden Märkte sieht Deuber langfristig ein großes Potenzial. Vor allem, sobald der Beitritt zur Eurozone erfolge. Rumänien könnte zu den drei größten Bankenmärkten in CEE/SEE nach Polen und Tschechien aufsteigen. Die generell sehr gute Entwicklung führt laut Deuber zu einer „neuen Ostexpansion“, allerdings nur in Teilbereichen. „Polen, Ukraine und Rumänien könnten dabei nach Kriegsende zu einem Gravitationszentrum in Europa werden“, so Deuber. Österreichs Banken würden schon jetzt ihre regionale Präsenz in CEE/SEE weiter ausbauen und trotz intensiver Konkurrenz durch nationale Marktführer rund 30 Prozent Marktanteil in der Region halten.
Die Erste Group ist zur größten Bank in Zentraleuropa aufgestiegen, während sich die RBI als Nummer 3 in Südosteuropa etabliert hat. Gleichzeitig treten weitere Schwergewichte verstärkt auf den Plan. Die UniCredit könnte ihre Präsenz in CE durch einen Wiedereintritt in Polen über die Commerzbank-Transaktion substanziell ausbauen, während die OTP mit der Übernahme der baltischen Luminor ihre Expansion in den Euroraum vorantreibt.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



