Aus für Ardo-Werk: Politik wirft Konzern Rücksichtslosigkeit vor

Wirtschaft

„Das ist an Rücksichtslosigkeit kaum zu überbieten. Wer aus reiner Profitgier Arbeitsplätze und bäuerliche Existenzen aufs Spiel setzt, darf sich nicht wundern, wenn ihm die Konsumenten die Rechnung präsentieren“, kritisiert Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner das Verhalten des belgischen Konzerns ardo scharf. Sie kündigte an, alles zu versuchen, um die Arbeitsplätze und die heimische Gemüseproduktion zu erhalten.

Der belgische Tiefkühlgemüse-Konzern Ardo hat am Sonntag ein umfassendes Unterstützungspaket von Bund, Land Niederösterreich und Landwirtschaftskammer zum Erhalt des Tiefkühlgemüse-Werks in Groß-Enzersdorf abgelehnt. Die Entscheidung bedroht rund 500 bäuerliche Betriebe im Marchfeld und etwa 250 Arbeitsplätze am Standort.

Umstrittene Verlustangaben

LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf warf Ardo vor, mit „verdrehten Fakten“ zu arbeiten. Die vom Konzern kolportierten Verluste von fünf Millionen Euro jährlich würden den offiziellen Bilanzen widersprechen, die ein positives Ergebnis auswiesen. „Besonders dreist ist, dass Ardo lieber Millionenrückzahlungen an Fördergeldern in Kauf nimmt, als das Werk auch nur für ein weiteres Jahr fortzuführen“, so Pernkopf. Gespräche für eine österreichische Lösung ohne Ardo liefen bereits.

18,5 Millionen Euro Rohware

Die wirtschaftliche Dimension ist erheblich: Rund 500 Landwirte produzieren auf etwa 3.300 Hektar Gemüse für Ardo. Allein 2025 wurden rund 40.000 Tonnen Rohware im Wert von 18,5 Millionen Euro geliefert. Eine über Jahrzehnte aufgebaute Wertschöpfungskette samt Know-how und Infrastruktur droht verloren zu gehen.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig nannte die Entscheidung „völlig unverständlich“. Statt regionaler Produktion solle Gemüse künftig mehr als 1.000 Kilometer durch Europa transportiert werden – „weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar“.

Vorwurf der Konkurrenzverhinderung

Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Lorenz Mayr warf Ardo vor, mögliche Lösungen für den Weiterbetrieb zu blockieren. „Es entsteht der Eindruck, dass mögliche Konkurrenz ausgeschaltet werden soll“, so Mayr. Die Marchfelder Gemüsebauern würden trotz der Absage nicht im Stich gelassen.

  Wie kann man fehlerhafte Vorschreibungen korrigieren?

Bund, Land und Landwirtschaft suchen nun nach Alternativen. Gespräche mit potenziellen Kauf- und Übernahmeinteressenten laufen auf allen Ebenen. „Eine Lösung wird alles andere als einfach. Aber wir werden alles tun, um dem Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld eine Zukunft zu geben“, betonten die Verantwortlichen.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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