„Trump-Reisepass“: Wie sich der US-Präsident schon jetzt verewigen will

Politik

Es gibt Autokraten, die sind mit Statuen, Plätzen und Paraden zufrieden. Donald Trump will mehr. Nicht nur Ballsäle und Triumphbögen. Der Republikaner sieht sich auch auf Nationalpark-Tickets, Geldscheinen, Gold-Karten, Münzen, Ministeriumsfassaden, Kulturtempeln, Friedensinstituten, Kriegsschiffen. Alles, was sich bedrucken, beschriften, vergolden lässt, soll tragen, was er für das Siegel der Geschichte hält: sein Gesicht, seinen Namen, seine Unterschrift. Beinahe wie Ludwig XIV („L’État, c’est moi“) präsentiert sich der bald 80-Jährige als Mr. America.

Die jüngste Posse ist der Reisepass. Zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten soll eine Sonderausgabe mit dem Bild von Nr. 47 auf der Innenseite erscheinen – neben Unabhängigkeitserklärung und Gründerpathos. Damit solle dieser „historische Moment“ gefeiert werden, hieß es aus dem Ministerium. Darunter Trumps goldene Signatur. Im Sommer sollen die Pässe ausgestellt werden. Die Auflage ist limitiert, die genaue Zahl unklar. Das Land, das einst erfolgreich Könige abschüttelte, bekommt also den Herkunftsnachweis eines mehrfach gescheiterten Immobilienmagnaten.

Anlässlich des besonderen Jubiläums will das US-Finanzministerium auch besondere Ein-Dollar-Münzen prägen. Eigentlich ist die Abbildung lebender Präsidenten darauf verboten. 

„Trump-Klasse“ der Navy

Das passt ins Bild: Trump taucht auch auf Nationalparkpässen neben George Washington auf, seine „Gold Card“ verkauft Aufenthaltsrechte als Luxusprodukt, seine Signatur soll auf US-Banknoten erscheinen. Bislang war das eigentlich nur Schatzmeistern vorbehalten. Und selbst die US-Navy plant eine „Trump-Klasse“ neuer Großkampfschiffe. Das Kennedy Center in Washington – gesetzlich als Denkmal für John F. Kennedy geschaffen – wurde von Trumps Lakaien bereits umgetauft; dagegen laufen Klagen.

Man muss diese Aufzählung nicht überhöhen, um sie unheimlich zu finden. Ein normaler Präsident macht Politik – im günstigsten Fall für das Volk. Trump macht sich und den Seinen die Taschen voll und betreibt Nachruhm in Echtzeit. Laut dem Magazin The Atlantic soll Trump intern damit begonnen haben, sich in eine Reihe mit Alexander dem Großen und Napoleon (dem Kleinen) zu stellen. Ein Vertrauter sagt, Trump rede davon, „die mächtigste Person, die je gelebt hat“ zu sein.

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Besonders entlarvend ist die Mischung aus Monarchie-Phantasie und Ramschvertrieb. Trump will nicht einfach geehrt werden. Er will überall vorkommen. Im Portemonnaie, beim Grenzbeamten, im Nationalpark, auf dem Schiffsrumpf, an der Kuturtempel-Fassade, im Formular für Kinderkonten.

Zukunftssparen wie ein Werbegeschenk aus Mar-a-Lago

Die offiziellen „Trump Accounts“ versprechen jungen Amerikanern steuerbegünstigte Anlagekonten „courtesy of President Donald J. Trump“. Selbst Zukunftssparen klingt da auf einmal wie ein Werbegeschenk aus Mar-a-Lago.

In Amerika gab es freilich immer schon eine Erinnerungspolitik mit rustikalem Charme. Flughäfen tragen Präsidentennamen, Flugzeugträger heißen nach Reagan oder Ford, Münzen zeigen verblichene Staatsmänner. Aber: Diese Ehrungen kamen mit Anstand und Abstand – nach Tod, Prüfung und notfalls Streit. Trump hingegen will den Pomp zu Lebzeiten. Er möchte nicht von der Geschichte beurteilt werden, er will sie vorab diktieren – aus Angst, schon bald vergessen zu werden.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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