
Wie oft wird in beklemmenden Zeiten Mozarts „La clemenza di Tito“ als Oper zur Stunde apostrophiert? Aber als solche inszeniert wird sie selten.
Maurice Lenhard, Regisseur und Leiter des Opernstudios der Volksoper, legt im Muth mit seinem jungen Ensemble eine schlüssige neue Fassung vor.
Aus dem Titel ist „La Clemenza“, also die „Milde“ gestrichen. Was bleibt, ist „Titus“, der Populist, der Diktator, der sein Volk mit Wohltaten nach einer Naturkatastrophe ködert.
Geschenk
Agiert wird in einem mintgrün gestylten Chefbüro (Bühne: Christina Geiger). Angestachelt von Vitellia, versucht Sesto, Titus’ engster Vertrauter, einen Anschlag auf den Herrscher. Der überlebt, vergibt und lässt allen ein Geschenk aushändigen. In kleinen Schachteln liegen Fußfesseln bereit.
Ricardo Vendramin Ross bearbeitete Mozarts Partitur für Kammerensemble, Synthesizer und E-Gitarre, die er selbst im Graben spielt. Er hat ein Gespür für das richtige Mischverhältnis. Die elektronischen Instrumente fügen sich nicht nur ins Geschehen, sondern öffnen an manchen Stellen neue Klangräume.
Knappe Dialoge auf Deutsch lassen die Handlung leicht nachvollziehen und ersetzen die Rezitative. Dirigent Michael Papadopoulos treibt die Formation mit Drive und geht auf die Sänger sehr gut ein.
Fordernd
Seiyoung Kim, der bereits bei den Salzburger Festspielen in Eötvös’ „Drei Schwestern“ auftrat, bewältigt die fordernde Partie des Titus mit Bravour. Mira Alkhovik ist eine Entdeckung. Furios intoniert sie mit ihrem in allen Lagen warmen, geschmeidigen Sopran die Vitellia. Smelo Mahlangu lässt als Publio aufhorchen.
Camila Aguilera Yáñez muss mit aufgeklebtem Schnurrbart den Sesto verkörpern. Das kann ihrem warm timbrierten Mezzosopran nichts anhaben. Ihr „Parto, parto“ berührt.
Chelsea Guo und Aleksandra Dimić verdienen als Servilia und Annio wie alle anderen die vielen Bravos.Susanne Zobl
Source:: Kurier.at – Kultur



