Tradwife-Satire „Yesteryear“: Unsere schaurige Farm

Kultur

„Eine Bilderbuchchristin. (…) Die Mutter, die jede Frau sein wollte, und die Frau, von der sich jeder Mann wünschte, dass sie zu Hause auf ihn wartete. Wie eine Nonne in einem Porno – völlig abwegig, aber bei Gott, es funktionierte. Ich heiße Natalie Heller Mills, und Perfektion ist mein größtes Talent.“

So stellt sich die Hauptfigur von Caro Claire Burkes Roman „Yesteryear“ vor. Natalie ist das, was man heute eine „Tradwife“ nennt – Frauen, die sich von modernen Errungenschaften der Frauenrechte freiwillig abwenden: Hausfrau, Mutter, jederzeit für alle Wünsche des Mannes bereit. Und sonst nichts. Schon gar keine eigene Karriere, womöglich in „männlich“ besetzten Berufen.

Größte Liebe: Sauerteig

Influencerinnen verdienen in den Sozialen Medien Unmengen mit diesem „Programm“: vom selbstgemachtem Kaugummi bis zur live gestreamten Hausgeburt. So eine Influencerin ist auch Natalie. Auf ihrem „Content-Plan“ steht unter anderem: ein Brot aus „meinem berühmten Sauerteig-Starter zu backen und den Laib mit einer Krippenszene aus selbst geernteten Gartenkräutern zu dekorieren.“ Natalie hat den Sohn eines Senators geheiratet. Das hat die Sache mit den Finanzen geklärt. Der Schwiegervater kann die Rinderfarm „Yester- year“ finanzieren, auf die Natalie mit Ehemann Caleb zieht. Von Letzterem ist kein sinnvoller Beitrag zum gemeinsamen Leben zu erwarten. Kurz nach der Geburt des ersten Kindes stellt sie fest, dass er „wirklich und wahrhaftig ein Volltrottel“ ist. Also sucht sie ihm eine Beschäftigung, in der sie ihn einerseits instagramtauglich inszenieren kann und er zweitens sie nicht blamiert.

Bizarres Schicksal

Das macht Natalie, die eine eindimensionale und dabei unsympathische Instagram-Satire sein könnte, zu einer Figur, deren Schicksal, so bizarr es noch werden wird, einen tatsächlich mitnimmt. Weil sie keineswegs nur macht, was ihr Mann ihr vorschreibt. Und sehr wohl mitbekommt, wenn Männer wie ihr Schwiegervater ihre Macht an ihr proben. Was sie genauso lakonisch kommentiert wie ihre Follower, die, die sie verehren und die, die sie hassen. Denn nur wenn man beides hat, kommt man in die Fünf-Millionen-Sphäre.

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Was der Vorbesitzer renovieren hat lassen, entfernt Natalie wieder – um ihrem Heim den Anstrich einer echten Pionierzeit-Farm zu geben. Gut versteckt bleiben in den Kästen Annehmlichkeiten wie eine Waschmaschine. Doch eines Tages wacht sie auf und ist genau in dieser Zeit, 1855, gelandet. Keine Waschmaschine, keine Nanny, nichts.

Was auf der Strecke bleibt

Ist der Roman doch Fantasy? Ist sie verrückt geworden? Der Weg zur Erklärung ist ein spannendes Vergnügen auf zwei geschickt kombinierten Zeitebenen, das einem das Lachen oft gefrieren lässt. Nachvollziehbar, dass dieses Debüt, in dem Burke die Konsequenzen von blindem Konservativismus, bei dem ausgerechnet die Kernwerte auf der Strecke bleiben, auf die Spitze treibt, enorm gefeiert und mit Anne Hathaway verfilmt wird.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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