Kanzler-Mission beim Scheich: Warum Stocker in die Emirate reiste

Politik

Anfang März, als der Iran-Krieg gerade losgebrochen war, sah man am Himmel die Drohnen schwirren und die Abwehrraketen aufsteigen. Mehrmals am Tag schrillte bei den Einwohnern der Vereinigten Arabischen Emirate der Katastrophenalarm am Handy.

Zuletzt schrillt er vielleicht ein paar Mal die Woche. Freitagfrüh etwa, als sich Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) mit einer kleinen Delegation in der Hauptstadt Abu Dhabi aufhielt. Ein Angriff der Iraner konnte abgewehrt werden, und die Emiratis fühlten sich abermals in ihrem Vertrauen in ihre Abwehrsysteme bestätigt. Man gewöhnt sich an vieles, heißt es, und so geht man mittlerweile wieder „ganz normal“ seinem Alltag nach.

„Ganz normal“? Nun ja.

Leere Strände und Straßen

Der Flieger, in dem Stocker anreist, ist vielleicht zu einem Drittel belegt. Die Prachtstraße „Corniche“ entlang der Küste sowie die Strände sind wohl nicht nur wegen der Hitze untertags so gut wie leer. In einem der reichsten Länder der Welt, in dem nur rund zwölf Prozent einheimische Staatsbürger und alle anderen Arbeitsmigranten sind, ist der Tourismus um fast 90 Prozent eingebrochen.

Der Flieger retour macht am Samstag einen zweistündigen Umweg über Saudi-Arabien und Ägypten nach Europa. Der Luftraum über dem persischen Golf wird schon länger gemieden. Im Libanon hat Israel am Samstag die Hisbollah angegriffen.

Die Lage ist – gelinde ausgedrückt – volatil, die Reise des Kanzlers nicht unheikel. Und gerade deshalb hat er sie auf sich genommen, wie er vor der Handvoll mitreisender Journalisten sagt: „Beziehungen zu pflegen ist besonders in schwierigen Zeiten wichtig.“

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„Menschen sind es hier und dort“

Was also macht er hier? Im Prinzip das, was der Niederösterreicher in der Kommunalpolitik von der Pike auf gelernt hat: Da sein, miteinander reden. „Menschen sind es hier und dort. Nur die Themen und die Auswirkungen sind andere“, sagt der ÖVP–Bundeskanzler, der bis von 2015 bis 2025 Vizebürgermeister in Wiener Neustadt war.

Auf dem Programm standen neben einem Besuch beim staatlichen Ölkonzern ADNOC mit Industrieminister Sultan Ahmed Al Jaber und einer Besichtigung der Scheich-Zayid-Moschee sowie Treffen mit Wirtschaftstreibenden auch ein Gespräch mit dem Präsidenten, Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan. Deklariertes Ziel ist, die „starke strategische Partnerschaft zu vertiefen“ – in Hinblick auf „politische, wirtschaftliche, humanitäre und kulturelle Kooperation“, wie in einer gemeinsamen Erklärung von Stocker und dem Scheich festgehalten wird.

Wenn es einen größeren Plan dahinter gibt, dass der Kanzler mitten in der Energiekrise einen Golfstaat besucht, der über die sechstgrößten Ölreserven der Welt verfügt, dann wäre es wohl auch unklug, ihn jetzt schon zu verraten.

Kein Gerangel

Um die Beschaffung von Öl oder Gas gehe es nicht, betont Stocker. Die Bevorratung in Österreich sei gesichert.

Was das betrifft, gibt Rainer Seele, früherer OMV-Boss und jetziger Vorstand für das Chemie- und Kunststoffgeschäft bei XRG, einer Tochter der ADNOC, bei einem Gespräch mit Journalisten seine Einschätzung ab: Die Blockade der Straße von Hormus hat zu einer Verknappung und damit zu höheren Preisen am Weltmarkt geführt – Seele nennt das eine „Risikoprämie“. Viele Staaten, auch Österreich, geben deshalb ihre strategischen Reserven frei.

Über den Sommer müssen die Speicher für den Winter aufgefüllt werden. Niemand weiß, wann sich die Verstopfung in Hormus, der Hauptschlagader für den Rohstoffhandel, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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