Neuer Fed-Chef Kevin Warsh treibt Kurse weiter nach oben

Wirtschaft

Seit Mitte Mai ist Kevin Warsh neuer Chef der US-Notenbank Fed. Nun hielt er beim traditionellen Notenbankertreffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming seine erste mit Spannung erwartete Grundsatzrede. Hohes Interesse galt naturgemäß dem Thema Inflation, die seit Ausbruch des Iran-Kriegs die Märkte, aber auch die Konsumenten beschäftigt. In den USA lag sie im Juli bei 3,4 Prozent, das Ziel der Fed liegt wie in der Eurozone 2,0 Prozent. Das nährt seit Monaten Spekulationen auf eine Zinserhöhung. Nach einigen Senkungen liegt die Zinsspanne seit Herbst des Vorjahres stabil zwischen 3,50 und 3,75 Prozent.

Warsh sah in seiner Rede eventuell Handlungsbedarf im Kampf gegen die hohe Inflation und nährte damit Spekulationen auf eine Zinserhöhung. „Hier ist mein Maßstab: Wir müssen davon überzeugt sein, dass sich die zugrunde liegende Inflation auf unser Ziel zubewegt – und zwar eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit. Andernfalls steht uns noch Arbeit bevor.“

Chancen steigen

Mehrere Vertreter der US-Notenbank drängen angesichts der anhaltend hohen Inflation seit Wochen auf eine Zinserhöhung. Warshs Rede führte dazu, dass die Chance auf eine zuvor als eher unwahrscheinlich eingeschätzte Anhebung im September nunmehr auf rund 48 Prozent taxiert wird. „Der Fed-Chef ist bereit, an der Zinsschraube zu drehen, falls die Inflationslage sich nicht zügig aufhellt“, sagte LBBW-Analyst Elmar Völker. Warsh erhöhe damit die Spannung vor der nächsten Zinssitzung Mitte September.

Die US-Notenbank soll neben Preisstabilität auch Vollbeschäftigung fördern. Warsh sagte, die Arbeitsmarktlage entspreche in seinen Augen derzeit Vollbeschäftigung. „Doch was die Preisstabilität betrifft, die zu unserem Mandat gehört, sind die Zahlen besorgniserregender.“ Warsh ergänzte, die jüngsten Daten vermittelten ihm nicht den Eindruck, dass sich die zugrunde liegenden Trends nennenswert verbessert hätten.

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Er schränkte aber zugleich ein, grundsätzlich keinen Zeitplan für Zinsschritte mehr zu nennen und betonte ausdrücklich, seine Äußerungen seien nicht dahingehend zu verstehen: Bewusst grenzt er sich damit von der Praxis seines von US-Präsident Donald Trump immer wieder harsch kritisierten Vorgängers Jerome Powell ab, der den Finanzmärkten eine solche Orientierungshilfe zum Zinskurs lieferte.

Warsh will hingegen, dass sich die Anleger an den Fundamentaldaten ausrichten und somit ein ungefiltertes und nicht von der Zentralbank ausgetüfteltes Signal erhalten. Diese Linie ist allerdings nicht unumstritten. Kritiker werfen ihm vor, bislang Antworten darauf schuldig geblieben zu sein, wie er die seit Jahren erhöhte Inflation in den Griff bekommen möchte. Laut Commerzbank-Experte Christoph Balz zeigte sich Warsh etwas offener gegenüber Zinserhöhungen: „Er kann allerdings die Zweifel, ob er es wirklich ernst meint, nicht ganz zerstreuen.“

Obwohl eigentlich Börsen auf (angekündigte) Zinsanhebungen negativ reagieren, zeigten sie sich am Freitag optimistisch. Zu diffus waren Walshs Ankündigungen, zugleich zeichnete er ein positives Bild der US-Konjunktur, was die Zinsfrage überlagerte. Infolge erzielten der Wiener Leitindex ATX sowie Frankfurter DAX am Freitag Rekordhochs.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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