
Von Helmut Christian Mayer
Schlug Sergej Prokofjew bei der eigenhändigen Uraufführung seines 2. Klavierkonzerts im Jahre 1913 in Pawlowsk, unweit von St. Petersburg, einerseits noch unüberhörbare Ablehnung entgegen, musste er seine Musik noch mit „Katzen auf dem Dach“ vergleichen lassen, so waren andere von solcher Neuartigkeit beeindruckt.
Das einst skandalöse Revoluzzer-Konzert macht heute keine Angst mehr. Heute wird es für seine rekordverdächtige Virtuosität gefeiert, denn es besticht als eines der beeindruckendsten und herausforderndsten Konzerte im Repertoire. Es folgt der virtuosen Tradition des 19. Jahrhunderts, bei der das Klavier das Orchester dominiert und bewusst großartige, intensive und anspruchsvolle pianistische Techniken zur Schau stellt. Mit einer ungemein langen Kadenz im ersten Satz!
Hochvirtuos
Und all diese extrem diffizilen Erfordernisse wurden von Yuja Wang, die für den erkrankten Daniil Trifonov eingesprungen war, hochvirtuos und mühelos mit perlenden Läufen und sicheren Akkorden bewältigt. Sie begeisterte das Publikum im vollen Großen Festspielhaus mit einem pianistischen Feuerwerk und gleich drei Zugaben. Ideal begleitet wurde sie dabei von den Wiener Philharmoniker unter Andris Nelsons.
Dann folgte der ungestüme Geniestreich des erst 24-jährigen Richard Strauss, der in seiner Tondichtung „Don Juan“ das Urbild jenes triebhaften, kecken Draufgängers, der in unstillbarer Sehnsucht von einer Frau zur anderen getrieben wird, lebendig gemacht hat: Mit stürmischem Temperament wurde unter der energiegeladenen Stabführung des lettischen Dirigenten die ganze brillante und farbenreiche Sinnlichkeit des Orchesterklangs glutvoll und schwärmerisch herausgearbeitet.
Effektvoll, keck und mit allen parodistischen Verzerrungen wurde dann noch die Tondichtung „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ ebenfalls von Strauss nuancenreich musiziert.
Grenzenloser Jubel und stehende Ovationen für einen fulminanten Abschluss der sehr erfolgreichen heurigen Salzburger Festspiele.
Source:: Kurier.at – Kultur



