Jahresbericht: Wie islamistische Influencer „Köpfe vergiften“

Politik

Islamistische Ideologie sei – jenseits von Terror und Gewalt – zum Lifestyle geworden. Statt in den Moscheen werde sie in den sozialen Medien vermittelt, auch Künstliche Intelligenz (KI) werde gezielt eingesetzt. Sie sei auch kein „Randphänomen“ mehr, sondern etwas, das man ernst nehmen müsse – schließlich sei sie gerade dabei, die Köpfe junger Menschen zu „vergiften“. Das stellt die Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) in ihrem Jahresbericht fest, der am Donnerstag präsentiert wurde.

Beobachtet wurden Influencer, die jungen Männern auf Identitätssuche ein „neues Männerbild“ vermitteln. In der „Manosphere“ (Sammelbegriff für männerbündische Online-Communitys, Anm.), die man auch aus dem extremistisch-christlichen Bereich kennt, würden geschickt Trends in Sachen Selbstcoaching und Selbstoptimierung aufgegriffen, skizziert Direktorin Lisa Fellhofer.

Ein Beispiel: Ein junger Mann – sportlich, gut aussehend und erfolgreich im Geschäftsleben – zeigt, wie er seinen Alltag bestreitet, eben nach islamistischen Regeln. Eine Alternative zur westlichen Welt, in der die Influencer zwar leben, die sie aber als „islamfeindlich“ ablehnen.

Influencer statt Prediger

Es würden sogar Retreats, also Reisen mit Lifestyle-Fokus, angeboten, schildert Fellhofer: Sport und andere gemeinsame Aktivitäten seien „vertrauensbildende Maßnahmen“, die Agenda dahinter sei aber eindeutig. „Gerade die jüngere Generation wird auf diese Weise besser erreicht als durch sperrige Predigten.“

Das Phänomen der „Influencer fürs Kalifat“ wurde bereits 2023 in einer Studie der DPI beleuchtet. Mittlerweile habe sich der Bereich weiter professionalisiert und diversifiziert – und sei dadurch schwerer fassbar geworden, so Mouhanad Khorchide, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats.

Nicht zu unterschätzen sei, dass diese Bewegung von Staaten unterstützt werde, die ein außenpolitisches Interesse daran haben, die Köpfe der jungen Generation zu vergiften und sie vom liberalen Rechtsstaat wegzubringen, ergänzt Vize-Direktor Ferdinand Haberl. Zu dieser Strategie gehöre auch, Online-Wissensplattformen zu manipulieren (der KURIER berichtete).

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Gegen die Gesellschaft

Worin konkret die Gefahr besteht? Diese Influencer würden Werte und ein Lebensmodell vermitteln, das gegen das Gesellschaftssystem in Österreich gerichtet sei, erklärt Direktorin Fellhofer. Die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen etwa ist in Österreich ein Grundrecht, „das man nicht so leicht wegwischen kann und darf“.

Wenn junge Menschen konstant damit in Berührung kommen, führe das dazu, dass sie das österreichische System als falsch empfinden, entsprechende Wahlentscheidungen treffen, sich radikalisieren oder auch gewalttätig werden.

Die Regierung plant aktuell ein Verbot des „politischen Islam“. Wie steht die Dokumentationsstelle dazu? „In einer liberalen Demokratie hat jeder Rechte, die ihn vor Eingriffen in seine Freiheit schützen“, sagt Fellhofer.

„Der Rechtsstaat muss sich aber nicht alles gefallen lassen. Er kann eingreifen, wenn es jemand darauf anlegt, ihn auszuhöhlen.“ So gesehen könne man über Verbote diskutieren, solange sie juristisch sorgfältig gemacht werden. Fellhofer könnte sich etwa Novellen im Vereinsrecht vorstellen.

Darüber hinaus dürfe man die sozialen Medien nicht den Islamisten überlassen. Khorchide appelliert an Pädagogen, die Ressource selbst zu nutzen, um Gegenmodelle zu islamistischen Narrativen zu verbreiten, „die dann auch dem „authentischen Islam entsprechen“.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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