Warum Sahra Wagenknecht mit der AfD flirtet

Politik

Nein, „Kreml-Koalition“ werde sie mit der AfD keine bilden, sagt Sarah Wagenknecht seit Tagen. Direkt zum Ministerpräsidenten wählen wolle ihre Partei AfD-Mann Ulrich Siegmund auch nicht. Aber sondieren, als einzige Partei im Land? Das macht ihr BSW.

Wagenknecht war einst überzeugte Kommunistin, nannte ihren späteren Ehemann Oskar Lafontaine vor 20 Jahren sogar verächtlich einen „Sozialdemokraten“. Als Ikone der Linken war sie in jeder Talkshow, bis sich die Partei fast an ihr zerrieb.

2025 dann gründete sie ihr eigenes Bündnis, das sie ganz unprätentiös nach sich selbst benannte. Doch der große Erfolg blieb aus: Den Einzug in den Bundestag verpasste das BSW, in den Ländern holte man zwar gute Ergebnisse, doch es herrscht Chaos. In Brandenburg traten Mandatare wegen „autoritärer Tendenzen“ aus, in Thüringen gründeten sie eine eigene Partei – just am vergangenen Sonntag, als die AfD in Sachsen-Anhalt an der Absoluten kratzte.

Nun haben sich Wagenknechts Leute dort in Sondierungen mit den Rechtspopulisten begeben – das hat keine Partei zuvor gemacht. Wundern muss es einen aber nicht: Schon im Wahlkampf hatte Wagenknecht mit der Öffnung nach ganz rechts kokettiert.

Sie spekulierte damit auf Wähler, die mit der Brandmauer hadern, und auf AfD-Sympathisanten selbst – denn in vielen Punkten sind sich die beiden Parteien näher als man glauben möchte. Beide verfolgen einen äußerst harten Anti-Migrations-Kurs, fühlen sich Putin näher als der Ukraine und zweifeln großflächig an den Corona-Maßnahmen. Auch in der Klimapolitik und in ihrer Kritik am „woken“ öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es Schnittmengen, in der populistischen Tonalität ohnehin. Letztere beherrscht auch Wagenknechts Ehemann Lafontaine, wie der 82-Jährige im Wahlkampf bewies: Der Altlinke, einst SPD-Vorsitzender und später Ministerpräsident des Saarlands, wetterte da laut über die „Faschisten in der Ukraine und in Israel“, die Deutschland unterstütze.

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Steigbügelhalter BSW

Den umgekehrten Vorwurf – selbst Steigbügelhalter für Rechtsextreme zu sein – muss sich das BSW nun aber in Sachsen-Anhalt gefallen lassen. Der Kuschelwahlkampf mit der AfD brachte der Partei fünf Mandate ein, und mit denen ist sie Königsmacherin, kann sowohl Union als auch AfD zu einem möglichen Ministerpräsidenten verhelfen.

Dass die Präferenz dabei in Richtung rechts geht, konnte man schon am Wahlabend sehen. AfD-Chefin Alice Weidel umgarnte BSW-Frau Claudia Wittig da live vor ARD-Kameras, die gab danach ein Interview, in dem sie den amtierenden CDU-Ministerpräsident Sven Schulze „unwählbar“ nannte und sagte: „AfD und BSW haben beide versprochen, dass wir eine politischen Wechsel möglich machen wollen.“

Das Mikro, in die BSW-Politikerin das sagte, gehörte ausgerechnet dem rechtsextremen Magazin Compact. Das war bis vor Kurzem sogar Wagenknecht noch zu heftig: „Wer Compact Interviews gibt, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank“, sagte sie noch vor drei Jahren.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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