
Sitzt SPÖ-Parteichef und Vizekanzler Andreas Babler fest im Sattel? Nur neun Prozent der gesamten Wählerschaft und 31 Prozent der SPÖ-Wähler gehen laut einer aktuellen KURIER-OGM-Umfrage davon aus. In der Sonntagsfrage liegt die SPÖ mit 15 Prozent nur noch hauchzart vor den Grünen.
Ob dieser horrenden Werte ist es wenig verwunderlich, dass auch innerhalb der Partei die Stimmung angespannt ist – und entsprechende Gerüchte kursieren. Wie schnell sich diese verselbstständigen, zeigt eine Posse von Dienstagabend: Eine Nachricht aus Bablers Büro, wonach dieser kurzfristig alle Minister und Staatssekretäre Mittwochnachmittag, 15 Uhr, in der Parteizentrale sehen wolle, landete auch bei der Kronen Zeitung.
Die Einladung klang prinzipiell brisant und sorgte erneut für wilde Spekulationen: Bietet oder kündigt Babler nun tatsächlich seinen Rücktritt an? Und wer folgt nach?
Gerüchte um Zeiler und Marterbauer
Die Spekulationen sind nicht neu, wirken mitunter redundant und lassen häufig konkrete Details vermissen. Ausgangspunkt ist meist der Boulevard, der Bablers geplanter Neuaufstellung der Medienförderung mit Ablehnung begegnet. Handelt es bei allem also nur um eine Kampagne?
In den vergangenen Tagen kursierte jedenfalls das Ondit, dass Ex-ORF-Chef Gerhard Zeiler oder Finanzminister Markus Marterbauer die Partei und/oder das Vizekanzleramt kurzfristig übernehmen könnten. Im Gegensatz zu Marterbauer sind Zeilers Ambitionen belegbar. Dieser hatte sogar eine Unterredung bei Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, von dem er jedoch keine Rückendeckung erhalten haben soll. Und in einem ORF-Interview hatte Zeiler die Frage, ob er die SPÖ übernehmen würde, nicht mit einem brüsken Nein, sondern bloß mit man habe ihn noch nicht gefragt, beantwortet. Gegenüber dem KURIER berichten Zeiler-Freunde, dass er den Job jedenfalls machen würde – aber eben gefragt werden wolle.
Zutreffend ist auch, dass Andreas Bablers interner Rückhalt schwindet. Bei der SPÖ-Herbstklausur in Mauerbach am vorletzten Wochenende soll es nicht nur um die Themensetzung der Partei gegangen sein. Wie der Trend berichtete, beschlossen die anwesenden SPÖ-Länderchefs, dass Babler künftig die Regierungsarbeit und strategische Schwerpunkte mit ihnen „verbindlich besprechen“ soll.
„Normaler Termin“, aber schlecht kommuniziert
Spitzt sich die Situation diese Woche also doch zu? Bablers Büro wiegelte bereits am Dienstag auf KURIER-Anfrage ab. Am Mittwoch gehe ein „völlig normaler Termin“ im Rahmen des Ministerrats über die Bühne. Selbiges soll für eine Präsidiumssitzung am Freitag gelten, die schon länger anberaumt war.
Gleichlautende Auskünfte erhält man auch aus anderen SPÖ-Ministerien, obwohl diese die Kommunikation von Bablers Büro explizit als „unprofessionell“ kritisieren: Die Einladung für den Mittwochtermin sei an einen zu großen Verteiler gegangen, was wiederum für Gerüchte gesorgt hätte.
Dass die Nachricht dann – wohl von parteiinternen Babler-Gegnern – dem „Boulevard“ geleakt und von diesem dementsprechend ausgeschlachtet werde, habe sich die Parteispitze selbst zuzuschreiben.
Gewerkschaft hält sich zurück
Wie geht es nun weiter? Es kommt wie so oft darauf an, mit wem man in der SPÖ spricht. Eine Erzählung aus den SPÖ-Ländern lautet, dass Babler genügend politischen Überlebensinstinkt habe, um die Parteiführung „zeitnah“ abzugeben. Ob das bereits diesen Freitag oder in den kommenden Wochen passiere, sei eher nebensächlich. Zudem führe die Gewerkschaft „intensive Gespräche“ mit Marterbauer.
Das Problem: Marterbauer ist an Krebs erkrankt, unterzieht sich einer Therapie und insofern sollten sich sämtliche Spekulationen über seine Person vorerst allein schon anstandshalber erübrigen. …read more
Source:: Kurier.at – Politik



