
Das Motto der beiden besten österreichischen Sportkletterer könnte unterschiedlicher nicht sein: Während Rekordweltmeister Jakob Schubert (sechs Goldmedaillen) in seiner Paradedisziplin Lead als Marschroute In der Ruhe liegt die Kraft ausgibt, lebt sein Kollege Kevin Amon nach der Devise Gut Ding braucht Eile.
Das liegt in der Natur der Sache, denn der junge Mann von den Naturfreunden Herzogenburg hat sich ganz dem Speedklettern verschrieben, einer spektakulären Disziplin, mit der es in den letzten Jahren rasant bergauf geht. Bei den Sommerspielen in Paris wurden 2024 erstmals Olympiasieger im Speed gekürt, während Jakob Schubert für seine Bronzemedaille noch die Kombination aus Lead und Bouldern bestreiten musste.
International betrachtet befindet sich das Speedklettern im Vormarsch, aber hierzulande ist Kevin Amon immer noch ein kleiner Exot. Die Traditionalisten behaupten, das Speedklettern habe mit den Ursprüngen des Kraxelns nicht viel am Hut.
15 Meter
Tatsächlich sieht es eigenwillig aus, wenn die Speedkletterer die genormte Steilwand mit den 20 Handgriffen und elf Tritten 15 Meter nach oben hetzen. Es wirkt nicht nur wie ein Sprint in der Senkrechten, auch die Athleten selbst sprechen vom „Laufen in der Wand“.
Und Kevin Amon nähert sich da eben gerade mit Riesenschritten der absoluten Weltklasse. Am vergangenen Wochenende blieb der 23-Jährige in China das erste Mal unter der 5-Sekunden-Marke, die in seiner Disziplin eine ähnliche Barriere ist wie die 6 Meter für einen Stabhochspringer. Jeder Speedkletterer, der etwas auf sich hält, sollte die 5-Sekunden-Barriere geknackt haben. „Für mich ist gerade ein Traum in Erfüllung gegangen. Endlich habe ich die Leistung auch einmal im Wettkampf abrufen können“, sagt Kevin Amon.
Rekordjagd
Im Einzelbewerb im Rahmen der World Series in Guiyang war der niederösterreichische Heeressportler mit 4,98 Sekunden gestoppt worden, 24 Stunden später verbesserte Kevin Amon im Speed-Relay seine Bestzeit sogar auf 4,89.
Das ist eine gewaltige Leistungsexplosion in einem Sport, in dem es um Hundertstelsekunden geht. Zumal Amons österreichischer Rekord vor drei Jahren noch bei 5,3 Sekunden lag. 2017 wäre er mit dieser Zeit noch Inhaber des Weltrekords gewesen, doch die Fortschritte im Speedklettern sind enorm. Der Chinese Yicheng Zhao kletterte, pardon: lief die 15 Meter zuletzt im Mai sage und schreibe in 4,54 Sekunden. „Und es geht sicher noch schneller. Beim Weltrekord, aber auch bei mir“, ist sich Amon sicher.
Amons Trick: Eine neue Trittfolge
Beim 23-jährigen Österreicher ist eine neue Trittfolge verantwortlich für den steilen Aufstieg in diesem Jahr. Es gibt verschiedene Varianten, die 15 Meter hohe Wand im Laufschritt zu erklimmen. Kevin Amon hat im letzten Winter eine Methode ausgeklügelt, die bis dahin noch kein Speedkletterer verwendet hatte. „Ich verwende einen Tritt, den alle anderen auslassen. Mir hilft das aber extrem, weil ich so viel flüssiger raufkomme“, erklärt der Steilwand-Pionier.
Mit seiner eigenen Technik plant Kevin Amon nun bereits den nächsten Gipfelsturm: Der Niederösterreicher nimmt den Europarekord in Angriff, der aktuell bei 4,79 Sekunden liegt. „Mir fehlt inzwischen nur mehr eine Zehntelsekunde. Aber die finde ich sicher auch noch“, prophezeit Kevin Amon.
Source:: Kurier.at – Sport



