Da muss man jetzt stark sein: Wenn’s im Kabarett plötzlich still wird

Kultur

 „Sie hätten ja zur Pause gehen können“, sagt Kabarettistin Sonja Pikart im zweiten Teil, als sie mit einer Nachricht plötzlich für Stille im Wiener Kabarett Niedermair gesorgt hat. Doch dazu später.

Die Premiere ihres neuen Programms „Stark“ beginnt mit den schlechten Nachrichten, die uns täglich umgeben. Besonders unruhig würden sie Zwischenstände wie „Keine Einigung zwischen Mexiko und Japan“ machen. Da möchte Pikart am liebsten nach Mexiko jetten und helfen – als eine Art Deal-Superheldin. Aber es müsste rasch gehen, denn zu Hause in Wien lässt eine verirrte Ente im Innenhof die achtsame Mietshaus-Whatsapp-Gruppe vor Sorge eskalieren.

Extremsport, Saunieren und Sinnieren

Entspannung finde sie da nur beim Betrachten von Extremsportdokus. In beruhigender Permanenz würde dort jeweils eine Mutter beteuern, dass ihr Sohn schon als Kind ein Draufgänger gewesen sei. Und immer stehe eine sich aufopfernde Partnerin hinter dem Drang nach Sinnlos-Rekorden. Pikart stellt mit viel Körpereinsatz eine Everest-Besteigung nach – ohne Unterhosen, damit es auch wirklich ein Rekord ist! Ihre launigen Assoziationsketten führen sie zum Saunieren in Loipersdorf und zum Sinnieren über die dort stehende größte begehbare Weinflasche Österreichs – mit Glas! Ob es auch eine zweitgrößte gebe?

Pikart selbst plant auch einen Rekordversuch: einen (in Zahlen: 1) Klimmzug schaffen! Man folgt ihr ihren geistreichen Gedankensprüngen gern, wenn sie etwa den Unterschied zwischen „Beziehungsarm“ (rastet mit „Klick“ ein) und lässig-beschwingtem „Freundschaftsarm“ demonstriert.

Pikart macht Kabarett österreichischer Prägung Dass sie Deutsche ist, merkt man am Idiom – und am Geständnis, dass sie bei Falcos „Kommissar“ immer nur „Dadidldum“ verstanden habe. Bis sie draufkam, dass er „Drah di ned um“ singt.

  Sugababes kommen mit neuem Album „Sugababes“ zurück

Eine vergleichbare Überraschung sei für sie vor rund einem Jahr das Ergebnis einer Mammografie gewesen. Und hier setzte erwähnte Stille ein. Doch bei absurd-komischen Schilderungen von Psychologinnengespräch, OP-Vorbereitung und Östrogen-Entzug hat sie ihr Publikum längst wieder.

Bad News gibt es schon genug. Aber wenn sie so grundehrlich, positiv und witzig verarbeitet werden wie hier, dann zahlt sich Sonja Pikarts Mut absolut aus. „Stark“ ist nicht bloß Österreichs bestes Kabarettprogramm mit Brustkrebsdiagnose – sondern tatsächlich sehr stark. 

KURIER-Wertung: ***** von *****

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.