
Kurz vor dem Terrorüberfall am 7. Oktober 2023 soll auch Ägypten Israel vor der Gefahr eines großen Angriffs der Hamas gewarnt haben. Das berichtet das US-Magazin The Atlantic unter Berufung auf Regierungsvertreter in Israel, Ägypten und weiteren arabischen Ländern sowie auf Vertreter in den USA und Europa. Das Büro von Israels Premier Benjamin Netanjahu dementierte den Bericht.
Weniger als zwei Wochen vor dem 7. Oktober reiste Ägyptens Geheimdienstchef Abbas Kamel demnach nach Israel und warnte, dass die Hamas offenbar für einen „groß angelegten Angriff mobilisiert“, so der Bericht. Kamels Botschaft an Israels Regierung sei gewesen, dass sich das „Fenster schließe, um eine Katastrophe abzuwenden“, so der Bericht. „Wenn Sie den Kurs nicht ändern, wird Gaza Ihnen um die Ohren fliegen“, fasste ein früherer israelischer Regierungsvertreter, der anschließend zu dem Besuch gebrieft wurde, die Botschaft des Besuchs zusammen. Kamel habe Israel wirtschaftliche Zugeständnisse an die Hamas empfohlen, um eine Verschärfung des Konflikts zu vermeiden.
Kamel ist einer der einflussreichsten Geheimdienstvertreter im Nahen Osten. Er war und ist führend unter anderem bei Vermittlungen Ägyptens und Katars zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Krieg. In dem Konflikt reiste er in den vergangenen Jahren mehrfach nach Israel.
Netanjahu dementiert Darstellung erneut
Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu hatte zwei Tage nach dem 7. Oktober 2023 erklärt, dass es keine Warnung Ägyptens über den Angriff gegeben habe. Es habe auch kein direktes oder indirektes Treffen Netanyahus mit Kamel gegeben, teilte sein Büro seinerzeit mit. Entsprechende Darstellungen seien „Fake News“.
Nach der Veröffentlichung des The Atlantic-Berichts hieß es aus dem Büro Netanjahus erneut, die Behauptung sei falsch. Sie sei seinerzeit dementiert worden und werde nun wieder aufgewärmt, um die israelische Öffentlichkeit zu manipulieren.
Bericht: Netanjahu muss von Besuch gewusst haben
Der Atlantic-Bericht erwähnt nicht, mit wem Kamel sich traf. Er habe sich aber rund eine Stunde in Israel aufgehalten. Allein seine Anwesenheit in Israel habe die Dringlichkeit gezeigt, sagten Regierungsvertreter dem Bericht zufolge. Ein israelischer Ex-Regierungsvertreter sagte demnach, es sei ausgeschlossen, dass Netanjahu nicht von dem Besuch oder Treffen mit Vertretern der israelischen Geheimdienste gewusst habe.
Vor etwa drei Wochen hatte die israelische Zeitung Haaretz berichtet, dass Israels Regierung auch aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vor einem möglichen Hamas-Überfall gewarnt worden sei. Der emiratische Präsident Mohammed bin Sayed warnte Netanjahu demnach in einem 45 Minuten langen Telefonat, dass der damalige Chef der Hamas, Yahya al-Sinwar, eine großangelegte Offensive gegen Israel plane. Netanjahu habe die israelischen Sicherheitschefs jedoch nicht informiert.
Brisanz vor Parlamentswahl in Israel
Netanjahu hat wegen des Berichtes eine Verleumdungsklage gegen die Zeitung angekündigt. Sein Büro hatte den Bericht bereits zuvor dementiert. Beide Berichte sind auch wegen der anstehenden Parlamentswahl in Israel brisant. Netanjahus Büro beschrieb den Haaretz-Bericht als eine „falsche Geschichte“ im „Wahlkampf der Linken“. Kritiker werfen ihm hingegen vor, keine persönliche Verantwortung für das Massaker vor fast drei Jahren übernommen zu haben.
Die Anschuldigungen erhöhen den Druck auf Netanjahu: Am 27. Oktober wird in Israel die Knesset neu gewählt, der 76-Jährige liegt in Umfragen zu Vertrauenswerten seit Monaten hinter dem zentristischen, ehemaligen Generalstabschef Gadi Eisenkot und dem liberal-konservativen Ex-Premier Naftali Bennett.
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Source:: Kurier.at – Politik



