
Sie steckt zwischen Dachsparren, umhüllt Gebäude, Rohre, Tanks und laute Maschinen. Mineralwolle ist beliebt, weil sie gute wärmedämmende Eigenschaften hat, Schall gut schluckt und nicht brennbar ist. Beim Neubau und beim Rückbau von Gebäuden fällt viel davon als Abfall an. Bisher landete dieser auf Deponien, ab 1. Jänner 2027 ist das aber nicht mehr erlaubt. Mineralwolle muss in Österreich künftig recycelt werden. Im Süden des Landes ist nun die erste darauf spezialisierte Recyclinganlage errichtet worden.
Stillgelegter Werkteil wurde reaktiviert
In Ferndorf, nahe dem Millstätter See, wird seit den 1920er-Jahren Holzwolle produziert. Später kam Steinwolle dazu. Deren Produktion wurde 2009 eingestellt, die Gebäude dafür standen längere Zeit leer. Früher war das Unternehmen Heraklith Betreiber, heute gehört das Werk zur deutschen Knauf-Gruppe. Der international tätige Baustoffproduzent beschloss, den vorhandenen Raum für die Errichtung einer neuen Recyclinganlage zu nutzen. Mineralwolle soll hier künftig aus dem ganzen Land angeliefert werden. Dafür wurde gemeinsam mit ABCO Abfallconsulting ein eigenes Sammelsystem kreiert, das von Unternehmen wie Privatpersonen genutzt werden kann (Mehr Infos unter mineralwolle-recycling.com).
Mineralwolle kann vollständig wiederverwertet werden
Das Material wird in großen Gewebesäcken nach Ferndorf gebracht, wo es zerstückelt und in zwei Fraktionen getrennt wird: Glaswolle und Steinwolle. Zur Steinwolle kommen auch Materialmischungen wie Tektalan (Holzwolle mit Steinwollekern) dazu. Die Glaswolle wird in einem Ofen auf 1.200 Grad Celsius aufgeheizt, die Steinwolle auf 1.400 Grad. Das verflüssigte Material wird in Wasser abgekühlt. Heraus kommt ein Granulat, das von Knauf in der eigenen Produktion vollständig verwertet wird. „Wir können Mineralwolle unabhängig vom Hersteller und unabhängig vom Alter zurücknehmen“, sagt Joachim Wieltschnig, einer der Geschäftsführer von Knauf Shared Services, der Firmentochter, die die neue Anlage betreibt.
Gefährliche Fasern werden vernichtet
Durch das Einschmelzen bei hoher Temperatur werden gefährliche Eigenschaften älterer Dämmplatten neutralisiert, erklärt Udo Klamminger, der zweite Geschäftsführer. Sie enthielten Fasern, die winzig klein waren und eingeatmet werden konnten. In der Lunge konnten sie nicht abgebaut werden. Das konnte zu Schäden am Organ führen. Seit 1998 dürfen solche Produkte nicht mehr verkauft werden. „Jetzt werden viele Gebäude aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren saniert, die diese Mineralwolle noch drin haben“, so Klamminger.
Testbetrieb beginnt im November
Die Recyclinganlage ist auf die Verarbeitung von 20.000 Tonnen Mineralwollabfällen im Jahr ausgelegt. Das entspricht ungefähr dem Volumen, das innerhalb eines Jahres in ganz Österreich zusammenkommt. Ende November soll die Anlage den Testbetrieb aufnehmen, der Vollbetrieb soll dann ab Jänner folgen. Mit dem Deponieverbot für Mineralwolle sei Österreich in Europa noch eine Insel, sagt Wieltschnig. „Es gibt einen klaren politischen Willen, möglichst viele Materialfraktionen im Kreislauf zu führen. Das ist etwas grundsätzlich Positives“, sagt Klamminger.
Kein Platz für Deponien mehr vorhanden
Das Vorpreschen Österreichs sei aber auch dem Umstand geschuldet, dass der Platz für Deponien im Lande eng wird. Neue Deponien werden kaum mehr genehmigt, weshalb die Preise für die Endlagerung hoch sind. Dadurch zahlt sich das Recycling auch leichter aus. „Bauen wird nicht teurer, weil man recycelt statt deponiert“, sagt Klamminger. Knauf hat 30 Millionen Euro in die Errichtung der Anlage investiert. Im Betrieb strebt man eine „schwarze Null“ an. Dazu sei eine konstant hohe …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



