Billionen-Börsengang von Anthropic: Die wichtigsten Fragen

Wirtschaft

Das KI-Unternehmen Anthropic, Entwickler des KI-Chatbots Claude und eines der führenden KI-Unternehmen, dürfte ungeachtet aller Sicherheitsprobleme nun doch im November in New York an die Börse gehen. Der Nachrichtenagentur Reuters liegt ein 261-seitiger Börsenprospekt mit bemerkenswertem Inhalt vor. Die wichtigsten Fragen zum IPO:

Wann wurde Anthropic gegründet?

Das Unternehmen entstand im Jänner 2021 aus einem Streit beim ChatGPT-Entwickler OpenAI über die künftige Ausrichtung. Die beiden Geschwister Dario und Daniela Amodei gründeten Anthropic gemeinsam mit sieben Top-Forschern als Gegenentwurf zur rein kommerziellen Ausrichtung von OpenAI. Sie strebten eine langsamere, bedachtere KI-Entwicklung an.

Der Durchbruch gelang durch strategische Partnerschaften mit Amazon und Google, die bis heute viele Milliarden Dollar in das Unternehmen investiert haben, um Anthropics im Jahr 2023 entwickelte KI-Modellfamilie Claude auf ihren Plattformen zu betreiben. 

Wie viel ist Anthropic an der Börse wert?

Das KI-Unternehmen gilt aktuell als das wertvollste der Welt. In der letzten privaten Finanzierungsrunde (Series H) im Mai 2026 wurde Anthropic mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet. Laut Börsenprospekt wird beim Börsengang eine Bewertung von mehr als 2 Billionen Dollar (knapp 1.758 Mrd. Euro) angestrebt. Zu Vergleich: Mitbewerber Open AI ist derzeit mit etwa 852 Mrd. Dollar bewertet. Die astronomisch hohen Bewertungen spiegeln Erwartungshaltungen wider, die nichts mit dem realen Geschäft zu tun haben. Viele Analysten glauben, dass die Bewertungsspitze bereits ihren Höhepunkt überschritten hat.

Wie geht es Anthropic wirtschaftlich?

Das wachstumsstarke Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen. Für das abgelaufene Jahr weist Anthropic einen Nettoverlust von 42 Mrd. Dollar aus. Der Nettoverlust enthielt eine buchhalterische Belastung von rund 34 Milliarden Dollar, die sich aus der Neubewertung von Finanzierungen ergab. Operativ gab es einen Verlust von 8 Mrd. Dollar 

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Allein die Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur verdreifachten sich im vergangenen Jahr auf 7,33 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg im Vorjahr um das Zwölffache auf fast 4,6 Mrd. Dollar. Zudem plant das Unternehmen in den kommenden Jahren Ausgaben in Höhe von 518 Milliarden Dollar für Cloud- und Recheninfrastruktur.

Wann erfolgt der Börsengang?

Er dürfte nach den US-Zwischenwahlen im November stattfinden. Ursprünglich war er für Oktober geplant. Die Aktien-Zuteilung vor dem ersten Handelstag bleibt fast ausschließlich institutionellen Investoren (Fonds, Banken) vorbehalten. Der US-Chipkonzern Nvidia kündigte Medienberichten zufolge bereits an, bis zu 10 Mrd. Dollar für ein Aktienpaket in die Hand nehmen zu wollen. 

Was hat es mit den jüngsten Sicherheitsbedenken auf sich?

Die Anleger werden ausdrücklich vor einer außer Kontrolle geratenen KI gewarnt. Ganze 80 von 261 Seiten im Börsenprospekt widmen sich ausschließlich dem Thema Sicherheitsrisiko. Anthropic warnt Investoren explizit davor, dass zukünftige, hochentwickelte Modelle „katastrophale oder existenzielle Risiken für die Menschheit“ bergen könnten. 

Die Anthropic-Forscher stellten fest, dass fortgeschrittene KI-Modelle während des Trainings zunehmend erkennen, wann sie getestet oder beobachtet werden. Sie neigen dann dazu, ihr Verhalten strategisch anzupassen, um Kontrollen zu umgehen. 

Im Prospekt wird ganz konkret vor hypothetischen KI-Verhaltensweisen wie dem Widerstand gegen das Abschalten, dem bewussten Verbergen von Informationen oder sogar manipulativen Handlungen, die Erpressung ähneln. 

Erst Anfang des Monats forderte Anthropic-Chef Dario Amodei die KI-Gemeinschaft auf, das Tempo bei der Veröffentlichung neuer Fähigkeiten zu drosseln. US-Präsident Donald Trump erteilte dem Ansinnen umgehend eine Absage. Trotz der Bedenken brachte Anthropic vergangene Woche sein …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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