
Manchmal ist es in der Politik ein Vorteil, wenn man etwas überhaupt nicht machen mag. Bei Philip Kucher ist das so mit dem Parteivorsitz.
Einer der wichtigsten Gründe, warum Kucher am Sonntag in der SPÖ dazu berufen wurde, gemeinsam mit Eva-Maria Holzleitner (mehr dazu hier) den Übergang zu Markus Marterbauer zu orchestrieren, war nachweislich der, dass Kucher über jeden Verdacht erhaben ist, Parteivorsitzender werden zu wollen.
Jeder Spitzenfunktionär in der SPÖ weiß: Kucher will den Job nicht. Und das befähigt ihn dazu, den Übergang unparteiisch zu managen.
Der 45-jährige Klagenfurter leitet ohne gröbere Schnitzer den Parlamentsklub der SPÖ. Und das, obwohl oder vielleicht gerade, weil er vor der Aufgabe gehörigen Respekt hatte.
Im Zuge seines Aufstiegs ist dem früheren Gesundheitssprecher der Partei ein „Manöver“ geglückt, das nur wenige für möglich hielten: Kucher wurde vom öffentlichen Befürworter Hans Peter Doskozils zu einem Unterstützer Andreas Bablers. Und das, ohne eines der beiden Lager zu verprellen.
Tatsächlich hat das Team Babler Kucher unter anderem mit dem Kalkül zum Klubchef gemacht, die konservativeren Kräfte in der Partei – und hier vor allem die Landes-Organisationen – für sich zu gewinnen.
Dieses Vorhaben ist nur bedingt geglückt. Die Wahl Kuchers war aus Sicht der SPÖ dennoch richtig, denn er erfüllt zwei Voraussetzungen, die mittlerweile eher rar gesät sind: Kucher gilt als 100 Prozent loyal zur SPÖ, ihren Grundhaltungen und ausnahmslos jedem Vorsitzenden. Und: Er ist ein Harmonie-Politiker und Verbinder.
„Der Philip mag Menschen, er macht aus diesem Grund Politik – und das spürst du als Gegenüber“, sagt ein Wegbereiter über ihn. Diese Eigenschaft zeigt sich nicht nur in der Fraktion selbst, sondern über die Parteigrenzen hinweg. Auch im Parlament gehört Kucher zu jenen Abgeordneten, die aktiv auf andere Fraktionen zugehen. In seinem Fall auch auf die Freiheitlichen.
Pointenschleuderer
Bei Grundsatzthemen ist der 45-Jährige sattelfest. Und weil er rhetorisch durchaus beschlagen ist, schafft Kucher in Parlamentsreden selbst bei einem Parteichef Herbert Kickl beides: den politischen Gegner inhaltlich scharf zu attackieren, diesem aber gleichzeitig ein Lächeln abzuringen, weil Kucher die ein oder andere Pointe einstreut und auf durchgehenden Moralismus verzichtet.
Dass über den Kärntner auch in anderen Fraktionen respektvoll gesprochen wird, liegt zudem an einer vergleichsweise „alten“ Eigenschaft, über die er verfügt: Auch in Zeiten von eMail und sozialen Medien gehört Kucher zu jenen Politikern, die bei jeder Gelegenheit das persönliche Gespräch mit Funktionären und Wählern suchen.
„Der Philip redet immer und mit allen, er telefoniert in einem fort“, sagt ein Wegbegleiter. Und gerade das, also eine fleißige Kommunikation nach innen wie außen konnte man der SPÖ zuletzt nicht immer „vorwerfen“. Insofern könnte sich durch Kuchers neuen Zusatzjob auch in der SPÖ einiges ändern.
Source:: Kurier.at – Politik



