
Der zweite Krisengipfel zwischen der heimischen Spitzenpolitik und den Managern des belgischen Ardo-Konzerns am Mittwoch brachte, wie berichtet, keine Wende. Im Gegenteil: Die Belgier verkündeten, dass sie an der Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf festhalten werden und auch einen Verkauf der Tiefkühlfabrik an österreichische Investoren ablehnen. Auch eine etwaige Verpachtung wird nicht in Betracht gezogen. Nach eineinhalb Stunden verabschiedeten sich die Ardo-Manager aus Wien wieder und stiegen in den Flieger nach Belgien.
Doch die Politik hat die Hoffnung auf eine Lösung noch nicht aufgegeben und klammert sich an einen Strohhalm. Denn: Sie hat einen Brief an die Ardo-Eigentümer geschrieben, den die Manager übergeben sollen. Inhalt: Ardo soll das Werk in Groß-Enzersdorf ein, zwei weitere Jahre betreiben, verkaufen oder es verpachten, damit im Marchfeld an Lösungen gearbeitet werden kann. Indes sagte ein Ardo-Sprecher am Donnerstag, dass derzeit kein weiterer Termin mit der österreichischen Politik geplant ist.
Genossenschaft sucht Alternativen
„Ohne das Ardo-Werk ist das eine mittelgroße Katastrophe“, sagt Robert Kriegl, Obmann der Erzeugergenossenschaft Tiefkühlgemüse (ETG), deren Hauptabnehmer Ardo ist. Die Genossenschaft, die 500 Landwirte vertritt, sei von Krisengesprächen auf Wunsch von Ardo „ausgeladen“ worden.
Die Genossenschaft wird nun nach Alternativen suchen. Im Gespräch ist der Tiefkühlproduzent Schneider’s Gemüseland, zu dem die ETG derzeit keine geschäftliche Beziehung hat. „Noch nicht“, sagt Kriegl. „Wir werden Gespräche führen. Sobald Ardo kein österreichisches Tiefkühlgemüse mehr liefern kann, wird wahrscheinlich auch die Firma Schneider mehr gefragt sein.“
Zuckermais-Lieferant von Ardo
Der Familienbetrieb aus Groß-Enzersdorf, der selbst als Zuckermais-Lieferant von der Ardo-Schließung betroffen ist, produziert bisher schon 20 Tiefkühlprodukte für die Handelskette Spar und wird ab Sommer 2027 fünf weitere Tiefkühlprodukte für Spar herstellen. „Wir arbeiten schon seit zehn Jahren mit Spar zusammen“, sagt Josef Schneider junior, der mit seinen beiden Geschwistern Barbara Kargl und Thomas Schneider die Geschäfte führt. Die Erweiterung um fünf Tiefkühlprodukte sei „keine Riesenmenge oder große Sache“, betont Schneider. „Wir verfolgen das Thema Ardo aus den Medien. Man wird sehen, wie das Ganze weitergeht.“
„Ich hoffe schon, dass noch weitere Gespräche folgen werden“, sagt seine Schwester und Co-Geschäftsführerin Barbara Kargl zum KURIER. Die Schneiders beziehen ihr Gemüse „vorwiegend“ aus den eigenen beiden Landwirtschaftsbetrieben Gemüseland Schneider GesnbR und Bioland Schneider GmbH. Die Schwierigkeiten bei Ardo überraschen Schneider junior nicht. „Das Tiefkühl-Geschäft ist nicht einfach“, sagt er. „Es ist mit sehr großen Investitionen verbunden.“ Für einen begrenzten Absatzmarkt wie Österreich große Investitionen zu tätigen, sei „nicht einfach“. „Das muss sich am Ende des Tages rechnen“, sagt Schneider.
Globaler Markt
„Das Tiefkühlgeschäft ist deshalb schwierig, weil es ein sehr internationaler und globaler Markt ist“, bestätigt ETG-Obmann Kriegl. „Es gibt Regionen in Europa, die einfach günstiger produzieren können, die andere Fördermittel bekommen, für was auch immer. Es gibt mittlerweile auch Tiefkühlwerke in Ägypten, in China und sonst wo.“ Wenn der Lebensmittelhandel sagen würde, so Kriegl, er sei bereit, „für diese österreichische Herkunft des Gemüses vielleicht mehr zu bezahlen, dann wird das vielleicht gehen, aber ansonsten nicht“. Denn in Österreich seien die Arbeits- und Energiekosten zu hoch. „Darum sind wir in der Produktion schon mal teurer“, so Kriegl.
Politische Kampfansage
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Source:: Kurier.at – Wirtschaft



