
Lesen, Schreiben, Rechnen – und wo bleibt die Finanzbildung, fragt Josef Meichenitsch, Direktor der Oesterreichischen Nationalbank. Um bei Kindern mehr Bewusstsein für Geld zu schaffen, kollaboriert die OeNB jetzt mit der Münze Österreich und Starautor Thomas Brezina für ein Buch, das Wissenswertes rund ums Geld vermittelt. Offiziell präsentiert wurde es am Mittwoch bei der Münze Österreich in 1030 Wien. Mit dabei waren Bildungsminister Christoph Wiederkehr und eine Schulklasse: die 4a aus Gainfarn in Bad Vöslau. Was sie vom Thema Geld hält?
„Kann man brauchen – man muss mit Geld gut umgehen können“, antwortet ein Schüler dem KURIER. Die Klasse wirkt finanziell sehr verantwortungsbewusst – Geld wird ernst genommen, gespart und nicht für Unnötiges ausgegeben. Auch nicht für Süßigkeiten: „Man muss wissen, wann Schluss ist“, bestätigt ein weiterer Schüler.
Ein erstrebenswertes Verhalten, wie die beiden Experten Kambis und Tetyana Kohansal meinen, die selbst ein Buch über Finanzbildung für Kinder geschrieben haben. „Genau deswegen kann man mit Finanzbildung nicht früh genug anfangen“, sagt Kambis Kohansal Vajargah. „Es ist wie im Profi-Sport. Je früher sie ein Gefühl dafür entwickelt, desto besser die Voraussetzungen.“ Aber wo beginnt man?
Kinder schauen alles ab und brauchen Vorbilder
Finanzmathematikerin Tetyana Kohansal beschäftigt sich intensiv mit der Finanzbildung für Kinder und Jugendliche. Sie weiß: Kinder entwickeln schon im siebenten Lebensjahr ihre ersten Geldgewohnheiten. Jedoch nicht durch Rechnen in der Schule, sondern durch Beobachtung. „Sie schauen, was die Erwachsenen in ihrem Umfeld mit Geld machen, und ziehen ihre eigenen Schlüsse“, erklärt sie. „Viele vergessen, dass Finanzbildung vor allem zu Hause stattfindet. Wenn Geld dort kein Thema ist, lernen Kinder es nur von TikTok.“ Es brauche also Selbstreflexion, betont auch Jennifer Holawatsch, Leiterin der Finanzbildung beim Fonds Soziales Wien (FSW). „Kinder ahmen uns nach. Schon durch das Vorleben geben wir ihnen sehr viel mit.“
Deswegen raten die Expertinnen, transparent zu sein und Kinder einzubeziehen. Kohansals Tipp: laut denken. „Das kaufen wir jetzt nicht, weil wir bald in den Urlaub fahren, und so weiter.“ Kinder würden Größenordnungen und den konkreten Wert von Geld nicht immer verstehen und bräuchten deshalb einen Bezug zum Alltag. „Ein Siebenjähriger versteht, dass sein Geld weg ist, wenn er es für Süßigkeiten ausgibt. Er versteht auch, dass die Miete etwa die Hälfte von Mamas Geld kostet. Oder dass Essen im Restaurant zwar nicht extrem teuer ist, aber teuer genug, dass man nicht jeden Tag hingeht.“
Auch beim wöchentlichen Einkauf könne man Geldthemen aufgreifen, sagt Holawatsch: „Am besten schaut man sich gemeinsam die Preise für Gemüse, Fleisch und Ähnliches an.“ Man könne Kinder auch selbst an der Kassa zahlen lassen, ergänzt sie. Allein schon zwei Euro herzugeben, sei eine Erfahrung, die Kinder früh machen sollten. „Wichtig ist, Kindern begreifbar zu machen, dass Geld eine endliche Ressource ist und man zwischen Wünschen und Bedürfnissen priorisieren muss“, so die Expertin.
Hier komme das erste eigene Taschengeld ins Spiel. Und da gibt es einiges zu bedenken.
Wie geht man mit dem ersten eigenen Taschengeld um?
„Taschengeld würde ich Kindern erst ab der Volksschule geben, wenn sie selbstständiger werden“, rät Tetyana Kohansal. Der Betrag selbst sei dabei nicht entscheidend (siehe Kasten …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



