
Julia Edtmeier, 1990 in Linz geboren, begann mit fünf: „Zuerst Ballett, dann Jazzdance, Steppen, alles, was die Tanzschule angeboten hat. Ich war ein richtiges Wettbewerbskind. Aber ohne ehrgeizige Eisläuferinnen-Eltern, im Gegenteil, ich wollte es, die Eltern haben mich halt unterstützt. Ich machte Tanz und dachte mir, später werde ich Schauspielerin.“
So kam es, dass sie sich nach der Matura für eine Musical-Ausbildung in Wien entschied: „Nicht, um eine Musical-Karriere zu machen, ich kannte nur ,Chicago‘, weil mir der Film gefallen hat. Sondern weil es die Möglichkeit war, Tanzen, Singen und Spielen zu lernen. Das war einfach pragmatisch.“
Nach Abschluss der Performing Academy 2013 wirkte sie am Raimund Theater in „Mamma Mia!“ mit, einer En-suite-Produktion: „Man lernt zwar, jeden Abend die gleiche Qualität abzuliefern, aber, eh klar, irgendwann ist für einen selber die Rolle auserzählt.“
Edtmeier und ihre Kollegin Salka Weber packte der Ehrgeiz, selbst ein Schauspiel-Projekt zu starten. „Wir kannten Alexander Pschill nur von der Bühne, fanden ihn einfach gut. Irgendwann haben wir uns getraut, ihm ein Mail zu schreiben, weil wir gehört hatten, dass er interessiert sei, Regie zu führen. Wir würden gerne ,Gefährliche Liebschaften‘ machen, ob wir uns mal treffen könnten. Er hat gleich zurückgeschrieben: ,Klingt gut.‘ Für Alex passte es grad zeitlich. Und er brachte seine Frau Kaja Dymnicki ins Spiel: ,Sie ist Bühnenbildnerin, wir schreiben gern zusammen Stücke.‘ Wir sagten: ,Ja, perfekt!‘ Manche Dinge fügen sich halt im Leben.“
Im April 2015 hatte „Gefährliche Liebschaften“ Premiere – in einer Kunstgalerie in der Sonnenfelsgasse. „Und dann waren wir plötzlich für den Nestroy-Preis nominiert – in der Kategorie beste Off-Produktion. Das war überwältigend.“ Man beschloss, weiterzumachen: „Wir haben ständig an neuen Projekten gesponnen. Eines Tages haben wir uns gefragt: Wie wäre es, wenn wir einen fixen Raum hätten? Cool, schauen wir mal auf Willhaben!“
So fand das Quartett das leer stehende „International Theatre“ in der Müllnergasse – und eröffnete es Ende 2016 unter dem Namen „Bronski & Grünberg“, wie zwei Protagonisten in Ernst Lubitschs Film „Sein oder Nichtsein“ (1942) heißen. Man ging das Projekt ohne Subventionen an. „Wir haben niemanden gefragt, haben es einfach gemacht. Wenn wir den offiziellen Weg beschritten hätten, wäre es nie passiert. Der Schlüssel zum Erfolg war unsere Naivität. Wenn es nicht klappt, klappt es halt nicht.“
„Unterirdische Gagen“
Alsbald kamen Mitstreiter hinzu, darunter Ruth Brauer-Kvam, Dominic Oley, Jakob Semotan, Sarah Victoria Frick, Martin Vischer und und und. Längst hat Edtmeier die Leitung allein über. Das Bronski wurde ein Sprungbrett, es realisiert nicht nur Produktionen fürs Volkstheater in den Bezirken, es füllt auch das große Haus – mit dem „Eurobronski Song Contest“. Der Erfolg freut Edtmeier, aber es betrübt sie, dass sie weiterhin nur „unterirdische Gagen“ anbieten kann (jeder kriegt das Gleiche). Die Subvention entspricht nicht annähernd der Außenwirkung. „Im Gegensatz zu den KünstlerInnen können die MitarbeiterInnen das Bronski nicht als Jobbörse nutzen – und sie stehen nicht in der Zeitung. Das wollen sie auch gar nicht. Aber sie bräuchten ein angemessenes Gehalt, um davon leben zu können. Dafür kämpfe ich.“
Trotz aller Schwierigkeiten will sie weiterhin in der Müllnergasse – „dort …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



