Muti im Musikverein: Innerlichkeit bei Beethoven, ein Vulkanausbruch bei Brahms

Kultur

In ihrem zweiten Abonnement-Konzert führten die Wiener Philharmoniker im Musikverein eines der Programme ihrer bevorstehenden Asien-Tournee auf. Mit Riccardo Muti stehen neun Konzerte in Japan bevor. Neben Bruckners „Achter“, mit der dieses Team bereits in der Vorwoche überwältige, werden sie neben Mozarts 40. Symphonie in g-Moll, Tschaikowsky „Vierter“, einer Neukomposition von Hiruki Hayashi, Beethovens viertes Klavierkonzert und Brahms „Zweite“ aufführen. Die beiden letztgenannten Werke waren jetzt in Wien zu erleben.

Mit der Pianistin Mitsuko Uchida leuchtete Muti den Kosmos dieses Komponisten faszinierend aus. Die Solistin und das Orchester stachelten einander zu einem irrlichternd transparenten Klangfarbenspiel auf. Mit sanftem Vorwärtsdrängen, weichem Streicherklang, dem fließenden Übergang vom langsamen Satz zum finalen Rondo, um nur einige Beispiele zu nennen, demonstrierte man musikalische Exzellenz.

Uchida agierte mit einem hohen Maß an Innerlichkeit, bestach mit virtuosen Trillern, nahezu geheimnisvollem Pianissimo und arbeitete die Bizarrerien in der ersten Kadenz heraus. Bei Brahms übertrafen sich Dirigent und Orchester selbst.

Man konnte tatsächlich spüren, dass Heinrich Heines Gedicht, „Die Wellen blinken und fließen dahin“, eine der Inspirationen für diese Symphonie in D-Dur gewesen sein muss, wie Muti die Motive zum Wogen brachte. Er changierte subtil zwischen Melancholie und einer Art von Euphorie, der jedoch nicht zu trauen ist. Elektrisierend intonierten die Streicher, sinnlich die Hörner, virtuos die Holzbläser. Im Finale sprühten die Emotionen wie bei einem Vulkanausbruch in prächtigsten Klangfarben. Ovationen! So muss man Brahms lieben.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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