
Da soll noch einmal wer sagen, Linkedin diene nur der Selbstdarstellung. Für Lisa Wilking (Friederike Becht) erweist sich die Plattform nämlich als äußerst praktisch. Eben hat sie ihn kurz im Fernsehen gesehen und dann mithilfe seines Profils identifiziert: den Mörder ihrer Schwester Anna.
Fast zehn Jahre ist es her, dass Lisa sie blutüberströmt in ihrer Wohnung aufgefunden hat – und einen kurzen Blick auf den fremden Mann in der Balkontür erhaschen konnte. Geschnappt wurde der Täter nie. Lisa leidet seitdem an einer Angststörung und verlässt das Haus nicht mehr. Glücklicherweise ein sehr schönes Haus. Zur Verfügung gestellt vom Verlag, der Lisas Bücher herausgibt. Allesamt Bestseller, veröffentlicht unter einem Pseudonym.
Die Welt hat keine Ahnung, wer die Schriftstellerin ist oder wie sie aussieht. Es gibt auch keine Interviews mit ihr. Bis jetzt. Denn Lisa hat einen Plan. Der Mann, den sie im Fernsehen erkannt hat, ist der Journalist Robert Lenzen (Hans Löw). Und dem bietet sie ein Exklusivinterview in ihrer Villa an.
Tagträume
Wie sie das anstellt, erzählt die Netflix-Serie „Die Falle“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Melanie Raabe. Für den Streamingdienst umgesetzt wurde der Stoff von Isabel Kleefeld, die auch für die preisgekrönte Serie „Liebes Kind“ (2023) verantwortlich zeichnete.
Der neue Thriller braucht ein wenig, um in die Gänge zu kommen: Lisa sitzt allein in ihrem riesigen Haus, verliert sich in Tagträumen und flunkert ihre Therapeutin (Ursula Strauss) an. Hinweise werden groß ins Bild gerückt, Subtilität steht hier nicht auf dem Programm. Ab der zweiten Folge nimmt die Geschichte aber an Fahrt auf: Lisas Verleger Norbert Rudow (Matthias Brandt) kommt über einer Flasche Rotwein ein wenig zu sehr ins Plaudern. Und während sich die Autorin auf das Interview vorbereitet (u. a. mit Stefan Gorski als Kampfsporttrainer), beginnt man sich zu fragen, wer hier eigentlich wem eine Falle stellt.
Die Kombination aus psychisch labiler Schriftstellerin, schicker Immobilie und ungelöstem Mord hat zuletzt schon bei „The Beast In Me“ (ebenfalls Netflix) funktioniert. „Die Falle“ spielt geschickt mit Erinnerungen, Wahrheit(en) und Perspektiven. Das Ergebnis ist ein flotter Thriller mit vielen Wendungen. Einiges ist vorhersehbar – wenn einmal Tabletten auftauchen, dann werden sie später auch abgesetzt. Spannend ist die sechsteilige Serie trotzdem.
Source:: Kurier.at – Kultur



