
Im Jahr 2023 war Nikolaus Kowall aus der Sektion 8 (Wien-Alsergrund) einer der Wegbereiter von Andreas Babler als Parteichef. Zuerst wollte er selbst gegen Pamela Rendi-Wagner und Hans Peter Doskozil bei der Wahl des Bundesparteiobmanns antreten. Als dann Babler seine Kandidatur bekannt gab, zog er sich wieder zurück.
KURIER: Herr Kowall, vor einigen Tagen hat die SPÖ personell neue Weichen gestellt. Es geht um den geordneten Rückzug von Parteiobmann und Vizekanzler Andreas Babler. Sie haben danach neue Zuversicht für die SPÖ geäußert. Was macht Sie da zuversichtlich?
Nikolaus Kowall: Die Zuversicht kommt daher, dass ich glaube, dass ein Tiefpunkt erreicht ist. Dieser Tiefpunkt, das möchte ich schon klar sagen, wird von ganz viel Sympathisantinnen und Sympathisanten, die mir schreiben oder sich über Social Media melden, definitiv wahrgenommen. Da gibt es unglaublich viel Frust. Mein Eindruck ist aber, dass in dieser Situation eine Lösung geboren wurde, die Zuversicht gibt. Das erste Mal seit zehn Jahren, seit der Ära Werner Faymann, haben sich alle SPÖ-Granden hinter einer Person versammelt, nämlich hinter Markus Marterbauer. Deswegen könnte ich mir vorstellen, dass die SPÖ wieder aus der Talsohle herauskommt. In Umfragen wird sich das erst in einem halben Jahr bemerkbar machen.
Die SPÖ-Granden haben sich hinter Markus Marterbauer gestellt, aber nicht hinter ihren Parteichef Andreas Babler. Blenden wir zurück ins Jahr 2023. Im Duell zwischen Pamela Rendi-Wagner und Hans Peter Doskozil haben Sie sich damals als weiterer Kandidat für den Parteivorsitz ins Rennen gebracht und dann zugunsten von Babler zurückgezogen. Warum hat dieses Projekt 2023 letztlich nicht funktioniert?
Da gibt es natürlich viele Gründe. Einer davon ist höchstwahrscheinlich, dass man in der SPÖ nicht riskieren konnte und sich kulturell auch nicht vorstellen konnte, Andreas Babler als Anti-Establishment-Kandidaten aufzubauen. Man hätte ja denken können, dass man die Wut, die in der Gesellschaft da ist, kanalisieren möchte. Und dass man das nicht der FPÖ überlässt, sondern einen roten Anti-Kickl aufbaut. Einen hemdsärmeligen, Dialekt sprechenden, authentischen Parteichef, der auch mit kräftigen Ansagen auffällt. Aus unserer damaligen Perspektive wäre Andreas Babler so ein Mann gewesen. Aber der hat vermutlich nicht so gezogen, wie wir das erhofft hatten.
Anders gesagt: Die SPÖ hat sich nicht getraut, auf der linken Seite eine Anti-FPÖ-Linie aufzuziehen?
Links ist das weniger Wichtige, als dass die SPÖ sehr staatstragend ist. Die SPÖ hat viele langjährige Funktionäre und Abgeordnete und viele Mitglieder, die in der Verwaltung tätig sind. Sie stellt rund 450 Bürgermeister und ist bis zu einem gewissen Grad eine Verwaltungspartei in der Republik. Und da zu sagen, wir gebärden uns jetzt als Anti-Establishment-Partei, ein Stück aufrührerisch, das war vom Stil her sehr schwierig. Wir haben wohl unterschätzt, dass das für die Partei zu viel Zumutung gewesen ist.
Noch einmal zurück ins Jahr 2023. Da hatte man schon das Gefühl, dass es am Sonderparteitag in Linz nur darum ging, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil zu verhindern. Oder ist das zu einfach gedacht?
Sie müssen unterscheiden zwischen der Mitgliederbewegung und dem Parteitag. Bei den Mitgliedern waren es drei unterschiedliche Blöcke, die alle gleich groß waren, wo über 10.000 Neueintritte Babler in die Stichwahl am Parteitag …read more
Source:: Kurier.at – Politik



