Der Auftakt zum Abschied von Franz Welser-Möst

Kultur

Ihr auf drei Tage angelegtes Wien-Gastspiel eröffneten Franz Welser-Möst und das Cleveland Orchestra im Musikverein mit einer Rarität im Konzertbetrieb. Franz Liszts symphonische Dichtung „Orpheus“. Dieses knapp zehn Minuten kurze Werk bekam unter den aktuellen Umständen eine andere Dimension. Denn es leitete den Abschied dieser Konstellation ein.

Nach 25 Jahren gibt Welser-Möst sein Amt als Chefdirigent dieses amerikanischen Klangkörpers ab. Damit hält er den Rekord und übertrifft George Szell, der von 1946 bis 1970 Chef der Clevelander war. Wie sehr eine verantwortungsbewusste Leitung ein Orchester prägen kann, manifestierte sich an diesem ersten Abend im besten Wortsinn Takt für Takt.

Mystische Hörner

In kammermusikalischen Momenten demonstrierte Welser-Möst das Filigrane von Liszts Orchesterminiatur. Die Solo-Instrumente ließen ihre Stärken hören. Die Hörner intonierten ihr Thema mystisch, mit Brillanz zog der Oboist Franz Rosenwein in seinen Bann. Dessen Virtuosität zog sich wie ein leuchtender goldener Faden durch den Abend. Auch nach der Pause geriet sein virtuoses Spiel zum musikalischen Lichtblick bei Brahms.

Doch zuvor blickte Welser-Möst mit Bohuslav Martinůs „Zweiter“ auf die Geschichte seines Orchesters zurück, das diese Symphonie 1943 zur Uraufführung gebracht hatte. Der Komponist, der wegen der Nazis in die USA emigrieren musste, widmete diese seinen tschechischen Landsleuten in Amerika.

Ein Hauch Tschechisch

In diesem Dickicht an Motiven, die gestochen scharf aufblitzen, profitierte der Klangkörper von der präzisen Führung seines Dirigenten. Der setzte auf absolute Klarheit, irisierende Klangfarben und ließ das Tschechische wie einen Hauch durchwehen.

Die „Zweite“ von Brahms wirkte wie der absolute Kontrast zur Aufführung der Wiener Philharmoniker unter Riccardo Muti vor einigen Tagen. Der Schwerpunkt lag bei den Amerikanern auf einem Höchstmaß an Transparenz, kristalliner Klarheit und Makellosigkeit. Da wurde einmal mehr deutlich, wie Dirigent und Orchester einander verstehen.

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Die Zugabe, das kurze Zwischenspiel aus Johann Strauss’ Operette „Eine Nacht in Venedig“, wirkte wie ein augenzwinkerndes „Bis morgen“ bei der Fortsetzung am Freitagabend mit Richard Strauss und Schostakowitsch.

Das Publikum antwortete mit stehenden Ovationen!

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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