BKS-Bankchef Juhász: „Chancen müssen wir mutig ergreifen“

Wirtschaft

Die politischen Rahmenbedingungen könnten besser sein, meint Bank-Vorstandschef Nikolaus Juhászim KURIER-Interview. Die Unternehmen müssten aber das Beste draus machen.

Wie bewerten Sie die konjunkturelle Lage Österreichs?
Das Wirtschaftswachstum liegt dieses Jahr bei 0,5 bis 0,6 Prozent. Damit kann niemand zufrieden sein. In Summe weisen wir als gesamte Volkswirtschaft zu niedrige Wachstumsraten auf und das schon seit vielen Jahren. Wenn man sich die Details ansieht, ist das Bild aber differenzierter. Wir sehen sehr wohl viele sehr erfolgreiche Unternehmen in Österreich. Und wir sehen natürlich auch Branchen, die sich deutlich schwerer tun.

Welche wären das?

Der Handel hat sicherlich nach wie vor zu kämpfen. Viele Unternehmen im Bereich Automotive ste-hen vor großen Transformationen. Auch in der Bauwirtschaft, vor allem im Hochbau, gibt es einige Herausforderungen.

Sind das hausgemachte Probleme oder gibt es auch internationale Aspekte?
Es sind viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Natürlich haben die Energiekrisen Preisschocks ausge-löst. Die hohe Inflation nach 2022 hat dann für entsprechende Lohnkostensteigerungen gesorgt. Auch die Zollpolitik der USA spielt eine gewisse Rolle, zumindest für einige Unternehmen oder Bran-chen. Aber es ist definitiv auch ein Thema des Standortes selbst. Wir brauchen daher wirtschaftspoli-tische Maßnahmen, die den Standort beleben und nicht weiter belasten.

Was könnten diese Akzente sein?
Gut wären verbesserte Abschreibungsmöglichkeit oder höhere Investitionsfreibeträge. Das würde zu einer Verbesserung des Investitionsklimas führen. Im Grunde steht aber die gesamte Wirtschaft in Österreich in einem Anpassungsprozess. Wegen der hohen Kosten sind einige Geschäftsmodelle in Österreich nicht mehr so zukunftsfähig und werden im besten Fall ins Ausland abwandern.

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Welche Branchen sind das aus Ihrer Sicht?
Vieles, was besonders energie- oder lohnkostenintensiv ist. Hinzu kommt, dass auch Branchen, in denen wir grundsätzlich stark sind, Maschinenbau, Anlagenbau, zunehmend am Weltmarkt mit kom-petentem Wettbewerb aus China konfrontiert sind. China ist heute ein ganz anderer Player als noch vor 20 Jahren. Und die Antwort ist sehr oft Verlagerung von einzelnen Fertigungsstufen in eine kostenärmere Region.

Kann man gegen China überhaupt auf Dauer irgendetwas ausrichten?
Wir können nur in die Offensive gehen und das heißt, an Innovationen weiterzuarbeiten, bessere und zukunftsfähigere Lösungen anzubieten und neue Märkte zu erschließen. 80 Prozent unserer Export-güter verlassen diesen Kontinent nicht. China, Afrika und Südamerika machen zusammen nicht ein-mal 10 Prozent der österreichischen Exporte aus. Es gibt also noch viele interessante Märkte. Diese Chancen müssen wir mutig ergreifen.

Um mutiger zu werden, braucht man auch Kapital. Woher soll das kommen?
Wir haben fast 170 Hidden Champions, die in ihren Nischen Weltmarktführer-Status haben. Und wir sind ein sehr reiches Land mit einem hohen Geldvermögen von fast einer Billion Euro. Wenn ein Teil davon als Risikokapital in unsere Unternehmen fließt, kann das ein wesentlicher Hebel für mehr Wachstum sein. Moderne Geschäftsmodelle basieren oft auf immateriellen Wirtschaftsgütern, also IT und Künstlicher Intelligenz. Das sind aber erfahrungsgemäß nicht die Wirtschaftsgüter, die sich für eine besicherte Kreditfinanzierung gut eignen.

Wie sehr spüren Sie Auswirkungen auf Ihr eigenes Geschäft?
Erfreulicherweise sehen wir heuer einen deutlichen Anstieg bei der Kreditnachfrage. Dabei geht es aber meistens um Finanzierungen, die entweder das Ausland betreffen oder effizienzsteigernde Maßnahmen, insbesondere im Bereich der Energie. Was wir leider deutlich weniger oft sehen, sind Standorterweiterungen in Österreich. Und …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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