Ukraine unter Dauerbeschuss: Der Krieg kennt bisher nur Verlierer

Wirtschaft

„Die ukrainische Wirtschaft steht mit dem Rücken zur Wand.“ So nüchtern fasst das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) seine neue Konjunkturprognose für das Land im fünften Kriegsjahr zusammen. Der Dauerbeschuss der zivilen Infrastruktur zieht Häfen, Brücken, Energieanlagen, Stahlwerke oder Silos in der Weizenproduktion immer ärger in Mitleidenschaft. Vom menschlichen Leid ganz zu schweigen. Olga Pindyuk, die Ukraine-Expertin des Instituts, spricht offen vom russischen „Terror gegen die Zivilbevölkerung“.

Wirtschaft schrumpft

Bei der jüngsten Erstellung ihrer Prognose gingen die WIIW-Experten noch von einem Wirtschaftswachstum in der Ukraine in diesem Jahr von 0,6 Prozent aus. Bei der Präsentation der Ergebnisse am Mittwoch sprach Pindyuk auf KURIER-Nachfrage bereits von einer schrumpfenden Wirtschaft. „Die Dinge ändern sich momentan so schnell. Die wirtschaftliche Lage spitzt sich zu. Russlands massive Luftangriffe treffen die Wirtschaft der Ukraine immer härter.“

Aktuell besonders schwer getroffen ist die Exportinfrastruktur. Im August sanken die Getreideexporte Kiews gegenüber dem Vormonat um 70 Prozent. Dazu kommt eine hohe Inflation von zehn Prozent, wodurch die Leitzinsen auf 16 Prozent erhöht wurden. Das bremst die Wirtschaft zusätzlich aus.

Staatshaushalt in „arger Schieflage“

Die wirtschaftlichen Schäden schlagen auch unmittelbar auf den Staatshaushalt durch, der sich in einer „argen Schieflage“ befindet. Ohne die westliche Unterstützung droht dem Land der Staatsbankrott. Nach Angaben des ukrainischen Finanzministeriums klafft für 2027 noch eine Finanzierungslücke von rund 33 Milliarden Dollar. Je eher rechtspopulistische Parteien in der EU erstarken, je stärker der Spardruck in Europa steigt, desto eher werden die für die Ukraine lebensnotwendigen Finanzhilfen infrage gestellt. Ganz aktuell lehnt etwa Bulgarien eine Beteiligung an neuen EU-Hilfen für die Ukraine ab.

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Doch auch Aggressor Russland kämpft mit den Folgen des Angriffskrieges. Das WIIW rechnet heuer mit einem Wachstum von nur noch 0,6 Prozent. Vasily Astrov, Russland-Experte am WIIW, sagt: „Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien führten zu einer veritablen Treibstoffkrise. Insgesamt bedeutet das Wachstum nicht mehr als Stagnation. Der Hauptgrund dafür sind die hohen Leitzinsen.“ Sie liegen aktuell bei 14 Prozent. Eine Senkung wurde wegen der hohen Treibstoffpreise ausgesetzt.

Maschinen sind Mangelware

Schmerzhaft für die russische Wirtschaft bleiben auch die westlichen Sanktionen, die High-Tech-Güter und hochwertige Maschinen zur Mangelware machen. „Die geringen Investitionen in neue Produktionskapazitäten sind eines der größten Probleme der russischen Volkswirtschaft.“ Astrovs großes „Aber“ lautet: „Auch 2027 wird Präsident Putin keinerlei Probleme haben, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Die Staatsverschuldung ist im internationalen Vergleich sehr niedrig und man kann sich weiterhin Geld bei inländischen Banken leihen.“

In St. Petersburg haben unterdessen Gespräche zwischen US-Unterhändler Steve Witkoff mit Kremlchef Wladimir Putin über den Ukrainekrieg stattgefunden. Putin gab zu Beginn des Treffens die Freilassung des US-Amerikaners Stephen Hubbard bekannt. Er soll als Söldner in der Ukraine gegen Russland gekämpft haben. US-Präsident Donald Trump jubelte pflichtschuldigst.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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