
Als machtgierigen Nimmersatt „König Ubu“ zeigte Alfred Jarry in den 1890er Jahren in Paris seinen Physiklehrer auf der Bühne. Was als Schülerstreich begann, wurde erst zu einem Theaterskandal, dann zu einem Klassiker des absurden Theaters. Burgtheaterdirektor Stefan Bachmann arbeitete sich daran an seinem Haus ab.
Julian Rohrmoser nahm es sich für seine Diplominszenierung am Max Reinhardt Seminar, die im Schönbrunner Schlosstheater zu sehen ist, vor.
Anders als an der „Burg“ zeigt er nur den ersten Teil. Bitna Kim hat ihm einen überdimensionalen goldenen Abort gefertigt, der wie eine Festung wirkt. Vater Ubu (beeindruckend: Nikolas Lajos Kendi) ist ein Look-a-Like seines Schöpfers. Mutter Ubu (Antonie Lawrenz) eine moderne Lady Macbeth im Negligee und Leopardenjacke.
Rohrmoser zelebriert die Radikalität mit drastischen Bildern. Das Stück beginnt im Original mit dem Wort „Merdre“, auf Deutsch „Schreize“. Ubu trohnt auf der Toilette und gibt sich der Entleerung hin. Zum Gelage tischt Mutter Ubu auf, was er hinterlassen hat. Grauenhaft, entspricht aber dem Stück.
Rohrmoser zeigt Jarry als Wegbereiter der Dada-Bewegung und lässt seinen Ubu wie in einem „Pulp Fiction“-Comic à la Quentin Tarantino den polnischen König ermorden und Adelige massakrieren. Einen Bären ertränkt er mittels Waterboarding im Klo. Alle im Ensemble agieren in der genau ausgeloteten Personenführung mit jener Dosis Furor, die das Stück braucht. Caroline Szivak zeigt den Sohn des Polenkönigs als vifen, eiskalten kleinen Rächer.
Alle sind deutlich zu verstehen, auch dann, wenn sie im Saal und am Balkon agieren. Zurecht viel Jubel!
Source:: Kurier.at – Kultur



