Andreas Dresen über „Alte Liebe“: „Ist das schon alles gewesen?“

Kultur

Nach vierzig Jahren Ehe zieht ein Paar Bilanz – und die sieht nicht immer rosig aus. Andreas Dresen, einer der erfolgreichsten Regisseure Deutschlands, hat mit „Alte Liebe“ (jetzt im Kino) einen Bestseller verfilmt und denkt selbst über das Älterwerden nach.

KURIER: Ein Paar ist vierzig Jahre lang verheiratet. Er, Harry, hat es sich mit Bierbauch auf dem Sofa gemütlich gemacht, während sie, Lore, das Gefühl hat: Das kann doch nicht alles gewesen sein! Hat Sie diese Frage auch persönlich interessiert?

Andreas Dresen:Naja klar! Ich bin selber langsam in dem Alter, wo man anfängt, erste Bilanz zu ziehen und sich zu fragen: Was kommt denn noch? Wie viele Filme kann ich eigentlich noch machen, und: Kann ich überhaupt noch welche machen? Die Situation für Filmschaffende ist ja derzeit nicht gerade einfach. Lore fühlt sich in ihrem Job, den sie noch ausübt, unentbehrlich. Ich glaube, sie leidet unter einem Symptom, das viele Menschen in sich tragen: zu denken, wenn sie gehen, bricht die Welt zusammen. Lore glaubt, die unsäglichen Lesungen, die sie organisiert, funktionieren ohne sie nicht. Dabei funktionieren sie ja auch mit ihr schon nicht, wie sich zeigt.

Problem Pensionsschock?

Das ist tatsächlich ein Problem und das muss man ernst nehmen, denke ich. Wenn sich ein Menschenleben nur um Arbeit zentriert – was kommt dann danach? Wo findet man dann noch Glück und Erfüllung? Lore kann sich aus ihrer Perspektive überhaupt nicht vorstellen, mit Harry zu Hause zu hocken. Was dann passiert, ist für viele Menschen, die in diesem Punkt ihres Lebens sind, eine ernstzunehmende Frage, glaube ich. Und die wird behandelt.

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Ihr letzter Film, „In Liebe, Eure Hilde“ über eine Aktivistin in Nazi-Deutschland, war sehr hart. Hatten Sie Lust auf „wärmeres“ Thema?

Ja, schon. Meine Drehbuch-Ko-Autorin Laila Stieler und ich hatten zuletzt sehr schwere Themen: In „Gundermann“ ging es um die Stasi, in „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ um Guantanamo und in „In Liebe, Eure Hilde“ um NS-Widerstand. Wir waren ein bisschen durch, ehrlich gesagt. Und wir haben uns dann schon gefreut, als wir Elke Heidenreichs und Bernd Schroeders Roman angeboten bekommen haben. Das war eine Tonlage, die uns liegt, und wir konnten auch mal wieder in die Gegenwart. Außerdem mochten wir den lakonischen Humor, obwohl der Stoff ja auch nicht ohne ist.

Sie haben die Schauplätze des Romans vom Westen Deutschlands in die Ex-DDR übersiedelt. Warum?

Als der Roman 2009 erschien, war er so etwas wie ein Schlüsselroman von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder. Sie haben darin ihre eigene lange Beziehung ein bisschen aufgearbeitet. In dem Roman sind die Hauptfiguren zwei Alt-68er mit einer hippiesken Tochter, die auch schon mal in Indien geheiratet hat. Das konnten wir 2025 nicht mehr übernehmen, weil es als Gegenwartsfilm nicht mehr gepasst hätte. Also mussten wir die Biografien der beiden Figuren ohnehin verändern. Für uns war es natürlich viel einfacher, sie in Ostbiografien zu verwandeln, weil wir auch aus dem Osten kommen. Das war am Anfang eigentlich der Hauptgrund, aber wir haben sehr schnell gemerkt, dass es tatsächlich auch die Geschichte vertieft. Mit dem DDR-Hintergrund kommen ganz andere Brüche in …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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