Seltsame Millionenpleite einer Privatstiftung mit Immobilien-Portfolio

Wirtschaft

„Als Hauptursache für die Zahlungsschwierigkeiten nennt die Stiftung ausgebliebene Dividenden aus der rumänischen Beteiligung. Die erwarteten Erträge waren als wesentlicher Bestandteil der Liquiditätsplanung eingeplant“, heißt es im Insolvenzantrag. „Als diese ausblieben und gleichzeitig die finanzierende Bank drei Kreditverträge fällig stellte und im September 2026 Forderungen von insgesamt 954.240 Euro gerichtlich geltend machte, war die Zahlungsunfähigkeit eingetreten.“

 Die in Wien ansässige Dionysius Privatstiftung beantragte laut Creditreform Ende Oktober beim Handelsgericht Wien die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung. Sie will ihren Gläubigern innerhalb von zwei Jahren die Forderungen zu 100 Prozent bezahlen.

Sanierungsverfahren von Privatstiftungen sind in Österreich selten. Die Dionysius Privatstiftung ist laut Firmenbuch seit 2003 eingetragen, ihr Stiftungszweck ist die Förderung und Versorgung von Begünstigten. Beschäftigte hat die Stiftung keine. 

1,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten

Laut Insolvenzantrag belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 1,5 Millionen Euro. Das Girokonto der Stiftung weist einen Minusstand von 52 Euro aus. Dem stehen Aktiva mit einem Buchwert von 2,3 Millionen Euro gegenüber – allerdings fast ausschließlich in Form von Immobilien, die nicht kurzfristig liquidierbar sind.

Die Stiftung verwaltet drei Liegenschaften: zwei Objekte in Neulengbach sowie eine See- und Uferliegenschaft in Ornding, Oberösterreich. Hinzu kommt eine 15-Prozent-Beteiligung an der rumänischen Gesellschaft Sidi & Bega Oldtimer S.R.L., die im Vermögensstatus mit 75.000 Euro angesetzt wird.

Rumänien-Beteiligung als Auslöser

Ein langfristiger Liefervertrag der rumänischen Gesellschaft, der Rückflüsse bringen sollte, ist laut Antrag bis heute nicht abgeschlossen. „Im Sanierungskonzept werden daraus erwartete Dividenden oder Wertsteigerungen daher nicht als gesicherte Mittel angesetzt“, heißt es weiters.

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Immobilienverkauf soll Quote finanzieren

Die angebotene Vollquote soll durch den Verkauf der Liegenschaft Buchgrabengasse 12 in Neulengbach finanziert werden. Die Stiftung setzt dafür einen Verkehrswert von 2,5 Millionen Euro an – bei einem Buchwert von 1,3 Millionen Euro. Das Objekt soll professionell vermarktet und innerhalb des zweijährigen Erfüllungszeitraums veräußert werden.

Sollte der Erlös nicht ausreichen, um sämtliche Verbindlichkeiten, Verkaufsnebenkosten, Steuern und Verfahrenskosten zu decken, würde zusätzlich die Liegenschaft in Ornding verkauft werden. Für diese setzt die Stiftung einen Verkehrswert von 700.000 Euro an (Buchwert: 200.000 Euro).

Externe Finanzierung für den Betrieb

Für die Anlauf- und laufenden Kosten des Insolvenzverfahrens hat einer der Stifter, Günter Koeniger, Jahrgang 1966, Finanzierungszusagen abgegeben. Bereits Ende Oktober wurden 7.000 Euro auf das Fremdgeldkonto der Rechtsanwaltsvertretung überwiesen. Weitere 6.000 Euro sollen im November und Dezember 2026 folgen.

Mit diesen Mitteln sollen unter anderem die noch fehlenden Jahresabschlüsse für 2024 und 2025 erstellt werden. Ab Februar 2027 plant die Stiftung die Aufnahme eines Massekredits, der durch Verpfändung der lastenfreien Liegenschaft in Ornding besichert werden könnte – allerdings erst nach Zustimmung des Gläubigerausschusses.

Dreiköpfiger Vorstand bleibt im Amt

Die Stiftung wird durch einen dreiköpfigen Vorstand vertreten. Im Rahmen der beantragten Eigenverwaltung würde der Vorstand weiterhin die laufende Vermögensverwaltung und Liquiditätsplanung verantworten. Die Zuständigkeit für den monatlichen Soll-Ist-Abgleich liegt beim Stiftungsvorstand, der dem Sanierungsverwalter quartalsweise berichtet.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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