Bestsellerautorin Bonnie Garmus: „Alles wird gestohlen. Ich habe das satt.“

Kultur

Bonnie Garmus als Bestsellerautorin zu beschreiben, ist wahrscheinlich eine Untertreibung. „Eine Frage der Chemie“, der vor vier Jahren erschienene erste Roman der früheren Werbetexterin, war ein Sensationserfolg, der weltweit fast 7 Millionen Mal verkauft und als Serie für Apple-TV verfilmt wurde. In ihrem zweiten Roman „Peck & Peck“ geht es nun um Lyrik. Klingt nicht gerade bestsellertauglich, oder doch?

KURIER: Sie sind erst mit Mitte 60 als Autorin richtig berühmt geworden. Wann haben Sie zum ersten Mal darüber nachgedacht, einen Roman zu schreiben?

Bonnie Garmus: Ich habe meinen ersten Roman mit fünf geschrieben. Er ist eine Seite lang, ich habe ihn auch illustriert. Meine Töchter haben ihn unlängst im Keller gefunden, und der einzige Grund, warum sie ihn nicht an die Medien geschickt haben, um mich zu blamieren, ist, dass ich ihnen monatliche Erpressungszahlungen schicke (lacht). Ich wollte von Anfang an Autorin werden, mit zwölf habe ich meinen ersten langen Roman geschrieben. Meine Bibliothekarin war sehr beeindruckt, sie hat ihn gebunden und in die Bibliothek aufgenommen. Leider hat ihn nie jemand ausgeliehen. Später wurde ich Werbetexterin und erfuhr: Alle Texter schreiben Romane oder wollen Romane schreiben.

War es gut, dass der große Erfolg spät gekommen ist?

Ja. Ich hätte ihn mir nicht früher gewünscht. Ich habe in der Werbung viel Erfahrung gesammelt. Im Schreiben, aber auch darin, mit Ablehnung umzugehen. Und ich habe gelernt, wie Kampagnen funktionieren. Außerdem habe ich mit großartigen kreativen Menschen zusammengearbeitet: Fotografen, Regisseuren, Grafikdesignern, Redakteuren. Sie haben mich geprägt und dazu beigetragen, dass ich eine bessere Autorin geworden bin. Wenn ich zurückblicke, denke ich an die schönen Zeiten, die wir hatten. Nichts davon war verschwendet.

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Hat der Erfolg Sie verändert?

Nein, bloß überrascht. Ich habe mir kein richtig tolles Auto oder so etwas gekauft. Ab einem gewissen Alter bleibt man seinen Werten treu, glaube ich. Außerdem gibt es einen Teil von mir, der immer noch denkt, dass das Schreiben von Romanen eine unsichere Sache ist. Die meisten Menschen können davon nicht leben. Ich kenne Pulitzer-Preisträger, die nicht von ihren Büchern leben können und immer noch arbeiten. Auch eine Erfolgsautorin wie Ann Patchett steht jeden Tag in der Buchhandlung – die ihr allerdings auch gehört.

Würden Sie jetzt noch als Texterin arbeiten?

Tatsächlich habe ich gerade einem langjährigen Kunden bei einer Rede geholfen. Und wie gesagt, man muss vorsichtig bleiben. 99 Prozent aller Autoren verdienen nur den Mindestlohn. Das kann einen schnell in den Ruin treiben. Bloß, weil man einmal den Pulitzer-Preis gewinnt, hat man nicht ausgesorgt.

In Ihrem neuen Buch sagt eine Lehrerin zum Protagonisten, der gerne Gedichte schreibt, er solle sich lieber nach einem richtigen Job umsehen. Ist es nicht fast ironisch, dass Sie, die erfolgreiche Bestsellerautorin, nun einen Roman über Lyrik geschrieben haben, ein literarisches Genre, das heutzutage nur sehr wenige Leser hat?

Es hat einen konkreten Grund, warum ich mich für die Lyrik entschieden habe. Die Kunst wird von der KI angegriffen. Alles, was geschrieben wird, wird gestohlen. Ich habe das satt. Und ich glaube, dass von allen Künsten die Lyrik am wenigsten geschätzt wird. Dabei ist sie für unsere Kultur enorm wichtig. …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

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