
Als Doris Bures vor wenigen Tagen nach dem scheidenden Parteichef Andreas Babler gefragt wurde, da ging die dritte Nationalratspräsidentin auffallend hart mit dem Vorsitzenden ins Gericht. „Weder Selbstkritik noch Nachdenklichkeit waren im ausreichenden Maß vorhanden“, sagte Bures in einem Gespräch mit profil. Und das, obwohl Bablers Rückzug seit Wochen paktiert und mit Markus Marterbauer zudem ein Nachfolger als Vizekanzler nominiert worden ist, dessen Sympathie- und Kompetenz-Werte in wie außerhalb der SPÖ nicht ernsthaft angezweifelt werden.
Mancher Genosse fragte sich: Musste das sein? Warum hat die einflussreiche Liesinger SPÖ-Chefin Babler noch einmal „eingeschenkt“, wo doch ohnehin alles klar ist?
Eine Erinnerung
In der SPÖ heißt es dazu, Bures wiederholt kritische Äußerung sei eine „Erinnerung an alle Beteiligten“ gewesen, „dass es einen Zeitplan gibt, der vereinbart worden und nun auch einzuhalten ist“.
Was ist damit gemeint?
Wie dem KURIER aus verschiedenen Quellen bestätigt wurde, lässt sich Bures ungewöhnliche „Erinnerung“ insbesondere damit erklären, dass Babler selbst – beispielsweise in Gesprächen in der SPÖ und auch gegenüber Vertretern der Koalitionspartner – bisweilen durchschimmern lässt, dass nicht so ganz sicher sei, ob er mit dem Jahreswechsel wirklich alle Funktionen, also zusätzlich zum Parteivorsitz und den Vizekanzler-Posten auch sein Ministeramt zurücklegen will und wird.
Neue Betätigungsfelder
Außer Zweifel steht: Gewichtige Genossen suchen in diesen Tagen durchaus intensiv nach einem neuen Betätigungsfeld für den scheidenden Vizekanzler.
„Aufgrund seiner Ausbildung und der politischen Vorlieben ist das mögliche Betätigungsfeld überschaubar“, sagt ein Sozialdemokrat, der in die Jobsuche involviert ist. „Und: Andreas Babler hat auch schon Angebote abgelehnt.“
Mit seinen politischen Leib-und-Magen-Themen – der Armutsbekämpfung und dem Sozialen – könnte der scheidende SPÖ-Chef zwar prinzipiell in größeren Organisationen wie der Arbeiterkammer andocken. Hier besteht eines der Probleme aber darin, dass seine Landespartei und die dortige Kammer, nämlich Niederösterreich, wenig Interesse signalisieren, den Parteichef in eine Funktion zu bringen. Niederösterreichs AK-Präsident Markus Wieser gilt nicht als Fan seines Landsmannes. Und ganz generell sind die Jobs, die finanziell den Vorstellungen des scheidenden Vizekanzlers entsprechen, entweder besetzt und/oder mit formalen Kriterien verbunden, die der ehemalige Lagerarbeiter und Zeitsoldat Babler nicht vorweisen kann (er hat HTL ohne Matura gemacht und einen Uni-Lehrgang in Krems absolviert, Anm.).
Als derzeit realistischstes Szenario gilt laut KURIER-Recherchen, dass Babler im Gewerkschaftsbund oder in der Volkshilfe anheuert. Denkbar wäre eine neu zu schaffende Funktion bzw. ein Referat, denn eines muss aus Sicht der Jobsuchenden vermieden werden, nämlich: dass für Babler verdiente Mitarbeiter gehen bzw. auf ihren Job verzichten müssen.
Substanzlose Gerüchte
Im ÖGB wird vehement bestritten, dass Andreas Babler in der Gewerkschaftsbewegung anheuern könnte. Und auch die vielfach kolportierte Behauptung, ÖGB-Chef Wolfgang Katzian höchstselbst sei in die Jobsuche involviert, wird als substanzloses Gerücht abgetan.
So oder so orten Beobachter in der Partei einen gravierenden Unterschied zu anderen SPÖ-Vorsitzenden. Der frühere Mitarbeiter eines SPÖ-Chefs beschreibt die Sache so: „Pamela Rendi-Wagner, Werner Faymann, Christian Kern und Alfred Gusenbauer mussten sich weitgehend selbst darum kümmern, nach ihrer Funktion an der Parteispitze wieder einen herzeigbaren Job zu bekommen.“ Bei Babler sei die Sache anders. „Jetzt suchen nachweislich viele in der Partei, um die Situation zu bewältigen.“
Source:: Kurier.at – Politik



